FAQs - Häufig gestellte Fragen

FAQs - Häufig gestellte Fragen
Als Entwicklungsprojekt wirft WiQQi viele Fragen auf, an denen wir gemeinsam wachsen können.

Zentrale Begriffe und Konzepte

Was sind Lösungen in WiQQi?

Lösungen sind alle Dinge und Handlungen, die ein Problem lösen und/oder zum Ziel führen. In der Entwicklung legen wir den Fokus zunächst auf Lösungen im Sinne gegenständlicher Technik.

Lösungen sind in WiQQi alle Dinge und Handlungen, die dazu beitragen können, ein Problem zu lösen und/oder ein Ziel zu erreichen.

In der Entwicklung von WiQQi legen wir den Fokus auf gegenständliche Technik. Damit blenden wir Handlungen oder Tipps und Tricks zur Lösung eines Problems nicht aus. Wir wollen jedoch vermeiden, dass emotionale oder soziale Konflikte entstehen, bevor wir wissen, wie wir damit umgehen können. Dies kann bei stark subjektiver Beteiligung der Fall sein, wenn es um die Wahl der richtigen Worte, der richtigen Haltung oder des Tonfalls im Gespräch geht. Insbesondere dann, wenn die Zeit zur Reflexion durch das Setting oder die Situation beeinflusst ist. So ist es leichter, über ein bedarfsgerechtes Nachtlicht zu sprechen, als über die bedarfsgerechte Gesprächsführung in einer Krisensituation.

  • Lösungen werden ausgehend vom konkreten Einzelfall recherchiert und gesammelt.
  • Die Dokumentation von Lösungen in der WiQQi-Datenbank entlastet auf mehreren Ebenen:
    • Beim Lösen des ersten Einzelfalls können Lösungen durch Kriterien ein- und ausgeschlossen oder priorisiert werden.
    • Lösungen können kollaborativ ergänzt und aktualisiert werden.
    • Lösungen können bei der Bearbeitung weiterer, ähnlicher Einzelfälle ergänzt oder aktualisiert werden.

Welche Bedeutung haben Kriterien in WiQQi?

In Kriterien bündeln wir die Erfahrung von uns Pflegenden. Kriterien liefern die reflektierte Begründung für die Auswahl einer Lösung.

Ein Kriterium ist ein Merkmal (z.B. Gewicht / Farbe), anhand dessen verschiedene Lösungen, Probleme oder Ziele unterschieden werden können. Voraussetzung dafür ist die Beschreibung der Ausprägung eines Merkmals (z.B. 100g, 1kg, 10kg / rot, grün, blau). Ein Kriterium und seine Ausprägung sind immer beschreibend und nicht bewertend.

Die für eine Entscheidung notwendige Bewertung ist an den Kontext gebunden. So hat die Ausprägung "1kg" für eine Feder eine völlig unterschiedliche Bedeutung, je nachdem, ob von einer Daune oder einer Fahrwerksfeder aus Stahl gesprochen wird. Auch die Bedeutung der Farbe kann sich unterscheiden, insbesondere dann, wenn eine Farbfehlsichtigkeit vorliegt.

In WiQQi haben Kriterien folgende Bedeutung:

  • Beschreibung von Anforderungen: Die Benennung von Kriterien erlaubt es, den Bedarf im Einzelfall genauer zu beschreiben. Zu dieser Beschreibung gehört die
    • Bewertung der Relevanz: ist ein Kriterium relevant oder nicht?
    • Begründung der Relevanz: Weshalb ist ein Kriterium relevant oder nicht?
    • Ausprägung des Kriteriums: Muss die Ausprägung einen bestimmten Wert annehmen, über- oder unterschreiten oder eine Tendenz aufweisen?
    • Begründung der Ausprägung eines Kriteriums: Weshalb genau muss das Kriterium diese Ausprägung annehmen?
  • Beschreibung von Lösungen: Die Benennung von Kriterien und deren Ausprägungen können Lösungen im Detail beschreiben? WiQQi geht dabei von den Dimensionen des Einzelfalls aus und beschränkt die Dokumentation von Lösungen auf das, was für den Einzelfall hinreichend bzw. notwendig ist. Weitere Ausprägungen einer Lösung können in weiteren Einzelfällen ergänzt werden.
  • Abgleich von Lösung und Anforderung: In welcher Weise erfüllt eine Lösung den Bedarf?
    • Passgenau: Ein Problem wird gelöst und/oder ein Ziel erreicht, ohne die eingesetzten Ressourcen zu verändern.
    • Ressourcen werden freigesetzt: Eine Lösung trägt dazu bei, dass Ressourcen abgebaut oder anderweitig genutzt werden können.
    • Zusätzliche Ressourcen werden benötigt: Eine Lösung trägt dazu bei, dass Ressourcen aufgebaut oder anderweitig abgezogen werden.
  • Verzehrfertiges Wissen: Kriterien bündeln Erfahrung und Wissen in einer situativ anwendbaren Form. Wir nennen das "verzehrfertiges Wissen":
    • Bedarfserhebung: Anforderungen aus vergangenen Fällen können durch die Kriterien auf neue Fälle angewendet werden.
    • Lösungsauswahl: Bedarfsgerechte Lösungen können kriterienorientiert aus der Masse der Lösungen herausgefiltert werden. Das reduziert den Rechercheaufwand.
    • Begründete Entscheidung: Entscheidungen können aus dem Abgleich von Bedarf und Lösung heraus begründet werden. Auswirkungen auf die Ressourcen können vorausgedacht werden und begleitende Maßnahmen eingeleitet werden.

Was ist verzehrfertiges Wissen?

Verzehrfertiges Wissen ist für den direkten praktischen Handlungsbezug aufbereitete Information. Zentral in WiQQi ist dabei die Verknüpfung des individuellen Einzelfalls über Kriterien mit Lösungen, die allgemeines Regelwissen abbilden.

Der Begriff des verzehrfertigen Wissens greift die Lücke auf, die zwischen "Information" und "Handlung" steht. Hierzu bündeln wir Erfahrung in Form von "Kriterien". Ergänzend listen wir mögliche Handlungsoptionen in Form von "Lösungen" als Ergebnis der Recherche auf. In der Kombination möchte WiQQi in einer Problemsituation passgenaues Wissen als Micro-Fortbildung anbieten. Wissen dynamisch genau dann anzubieten, wenn es notwendig ist, nennen wir "verzehrfertig".

  • Kriterien sensibilisieren: In der Bedarfsanalyse weisen Sie auf Punkte hin, die relevant sein könnten. Durch die Komplexität der Pflegesituationen kann es passieren, dass wichtige Punkte ungewollt aus dem Fokus rücken. Kriterien helfen dabei, systematisch alle möglicherweise wichtigen Punkte anzudenken.
  • Kriterien sind entscheidungsleitend: Neben der Sensibilisierung sind Kriterien auch als Referenz wirksam. Sie helfen, die gemeinsame Entscheidung zu begründen, ohne diese in eine Richtung zu lenken. Aus der begründeten Entscheidung heraus erlauben Kriterien die systematische Evaluation und dadurch die Generierung von Evidence.

Verzehrfertiges Wissen zielt auch darauf ab, den Wissens- und Erfahrungserwerb der für die Anwendung neuer Lösungen erforderlich ist leichter zu gestalten. Hierzu bemühen wir insbesondere das Medium des Videos. Damit können wir auch implizites Wissen abbilden.

Was ist der Beitrag von WiQQi zur „Digitalisierung“?

WiQQi nutzt Methoden der Datenverarbeitung um Individualisierung und Bedarfsgerechtigkeit auch auf dem Feld von Pflege & Technik zu stärken.

Für WiQQi bedeutet „Digitalisierung in der Pflege“ die Aspekte der Nachhaltigkeit und Bedarfsgerechtigkeit zu unterstützen. Denn: Wo bisher die Vielzahl und Vielfalt (technischer) Lösungen kaum zu beherrschen war, möchte WiQQi mit „verzehrfertigem“ Wissen, das benötigte Wissen in die Situation bringen.

Wir wollen, dass wir die wesentlichen Ziele im Leben – insbesondere soziale Teilhabe und Bewegung – erreichbar bleiben. Manchmal sind die großen Leistungspakete (sei es das Hotel oder das Pflegeheim), die den Ressourcenturm stabilisieren. Und manchmal kann können es Tipps und Tricks sein.

Durch die fachliche und ethische Reflexion, sowie kriterienorientierte und begründete Entscheidung wollen wir im Citizen Science Ansatz:

  • Bedarfe passgenau und nachhaltig erfüllen
  • Lösungen flächig evaluieren und damit Evidcence generieren

Kommunikations- und Beratungsansatz: Das Harvard-Konzept

WiQQi nutzt das Harvard-Konzept sowohl in der Beratung als auch in der Krisenkommunikation. Dieses Konzept ist auf dem WiQQi-Bierdeckel als leitendes Instrument und zentrale Methode für die Nutzung im Alltag aufbereitet.

Für die Kommunikation in WiQQi hat sich das Harvard Konzept (→ Wikipedia) sowohl in der Beratung als auch im inneren Dialog bewährt. Wir setzen die vier Prinzipien wie folgt um:

Trennen Sie Menschen und Probleme bzw. Beziehungs- und Sachebene
Wir bemühen uns darum, die sachbezogene, inhaltliche, rationale Ebene von der beziehungs- und gefühlsbezogenen, emotionalen Ebene zu trennen. Die sachbezogene Problemlage ist wiederholt der Anlass für einen Dialog. Bevor wir uns aber der Sache widmen, ist es uns wichtig, uns einer guten Beziehungsebene zu vergewissern. Das bedeutet auch, eine Person nicht auf ein Problem zu reduzieren.
Siehe auch: Watzlawicks Eisbergmodell; Transaktionsanalyse.

Konzentrieren Sie sich auf Interessen, nicht auf Positionen bzw. Standpunkte
Die Orientierung an gemeinsamen Zielen und Interessen unterstützt uns dabei, den eigenen Standpunkt zu verlassen. Bereits das Gespräch um die gemeinsamen Ziele und Interessen kann dabei helfen, einen neuen, dritten Standpunkt zu entwickeln:
Wer ein Ziel erreichen will, muss seinen Standpunkt verändern – oder warten, bis das Ziel den eigenen Standpunkt erreicht hat.

Entwickeln Sie alternative Optionen
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Handlungsoptionen so verwirrend wie hilfreich sein können: Sie fordern von uns Klarheit über den Bedarf ein. Wir bemühen uns, die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der Optionen so breit wie möglich zu fächern. WiQQi setzt dabei auf Perspektivenvielfalt: Je mehr Perspektiven und Biographien auf eine Fragestellung blicken, um so breiter können die Lösungsansätze werden.

Streben Sie nach allparteilichen Beurteilungskriterien
Wir bemühen uns, in jeder Lösung die Evaluation bereits mit zu denken. Deshalb ist es uns wichtig, zu wissen, wann ein Ziel als erreicht und ein Problem als gelöst angesehen werden kann. Wir bemühen uns um Allparteilichkeit. Denn wir wollen in den Dialog zu treten um Lösungen weiterzuentwickeln.

Hintergründe

Weshalb wird WiQQi entwickelt?

Der Anlass, WiQQi zu entwickeln liegt in der Erkenntnis, dass vorhandene Ressourcen besser genutzt werden können, wenn wir Erkenntnisse gemeinsam weiterentwickeln statt doppelt zu entwickeln.

Zusammenarbeit: Im historischen Rückblick legen wir den Startpunkt von WiQQi auf das Jahr 2015. Wir haben etwa 40 Stunden in die Recherche und das Einholen von Informationen zu Herdabschaltungen investiert, um eine erste Übersicht über verfügbare Lösungen zu erzeugen. Im gleichen Jahr haben wir immer wieder Personen und Organisationen getroffen, die sich in ähnlichem oder geringerem Umfang mit dem Zukunftsthema auseinandergesetzt haben. Die Diskussion wurde dabei in der Regel abstrakt - und im besten Fall über konstruierte "Personas" mit schriftlich festgehaltenen Lebenslagen geführt. Wir haben bei 100 Stunden aufgehört zu zählen. Der Schlusspunkt im Jahr 2015 war immer der gleiche: Die eingebrachte Zeit verpuffte in der Recherche und die entwickelte Erfahrung genügt nicht für eine Beratung, die der Komplexität der Pflege hinreichend gerecht wird. Daraus entstand die Frage:

  • Welches Wissen und welche Erfahrung hätten wir generieren können, wenn wir die die >100 Stunden kooperativ und/oder kollaborativ genutzt hätten?

Ausgangslage - konkreter Einzelfall: Die Antwort auf diese Frage folgte im Jahr 2016: In einem Betreuten Wohnen führte eine Häufung von Falschalarmen durch Rauchmelder zu Konflikten im Quartier, zusätzlichen Sturzrisiken beim Versuch, den unerwünschten Alarm auszuschalten oder Ernährungsrisiken aus der Befürchtung heraus, beim Kochen einen Falschalarm auszulösen. Gleichzeitig erreichte uns der Wunsch einer Person, unerwünschte Alarme auch aus dem Rollstuhl heraus stummzuschalten. Noch bevor wir uns selbst mit dem Problem beschäftigen, bekamen wir zielführende Lösungsvorschläge von einem Handwerksbetrieb. Diese Vorschläge wurden unabhängig auch durch einen Hersteller von Herdabschaltungen benannt, das einen Rauchmelder als Rauchsensor in das eigene Produkt eingebunden hat. Der Zeitaufwand aller beteiligten Personen für die Zusammenarbeit beläuft sich zu diesem Zeitpunkt auf wenige Minuten. Wir konnten jedoch einen konkreten Lösungsvorschlag ins "Labor" nehmen. Wir sprachen mit etwa 600 Personen über die Rauchmelder in Bezug auf die Pflegeprobleme "Sturzrisiko", "Ernährungsrisiko" und "Immobilität". Den konkreten Einzelfall vor Augen konnten unsere Gesprächspartner eigene Erfahrungen adaptieren und erweitern, das führte zu neuen Erkenntnissen innerhalb der Gruppe und auch für die Einzelnen.

  • Die Situation des konkreten Einzelfalls übernimmt die Rolle des Schiedsrichters und schützt vor Konflikten verschiedener Standpunkte.

Bierdeckel & Beratungskonzept: Wir haben mit dem Harvard-Konzept als Beratungskonzept ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Deshalb haben wir es als leitendes Instrument und Grundhaltung auf einen Bierdeckel gedruckt. Der Platz für Notizen auf der einen Seite verdeutlicht die Notwendigkeit, den konkreten Einzelfall im hermeneutischen Fallverstehen an den Anfang zu setzen. Die Grundpfeiler des Harvard-Konzepts auf der anderen Seite setzen deshalb die Klärung der Beziehungsebene und der gemeinsamen Interessen als Basis. Mit der Suche nach Handlungsoptionen wird das hermeneutische Fallverstehen zielorientiert vorangetrieben. Mit der ethisch und fachlich reflektierten, kriterienorientierten und Begründeten Entscheidung wird schließlich allgemeingültiges Regelwissen mit dem hermeneutischen Fallverstehen zusammengeführt: Vom Einzelfall ausgehend steht zunächst die Frage, welche Kriterien für eine Entscheidung relevant sind - darauf begründet sich die Selektion von Lösungsoptionen durch die Bewertung von Kriterien. Damit leistet WiQQi einen praxisorientierten Beitrag, die doppelte Handlungslogik der Pflege umzusetzen.

  • Der WiQQi-Bierdeckel bildet das komplette Konzept von WiQQi handlungsleitend ab. (Er kann auch für Wassergläser genutzt werden ;)

Kann WiQQi funktionieren?

Ja. Der Ansatz von WiQQi, Wissen zu teilen bewährt sich in lokalen Netzwerken.

WiQQi funktioniert in lokalen Netzwerken und darüber hinaus:

  1. Ausgangslage Einzelfall: Wissen ist von Einzelfall (Multiple Sklerose) zu Einzelfall (kortikobasale Degeneration) übertragbar [Pflegeruf]
  2. Blick über den Tellerrand: Technik aus dem Lifestyle-Bereich ist in den Pflege- und Rehabereich übertragbar [Motorschloss]
  3. Wissen durch Social Media: Die Arbeit mit Social Media hilft anderen – und gibt uns über Suchanfragenauswertungen Informationen zurück [Türklingel]
  4. Allparteilicher Ansatz: Die Arbeit von WiQQi wird auch von Herstellern rezitiert [WiQQi-Exoskelett-Videos auf der Rehacare 2019, Düsseldorf]
  5. Wissen vemehrt sich: Wissen zu teilen führt dazu, Wissen zurück zu bekommen [FutureShape SensFloor]
  6. Fehlanwendung aufdecken: Die Kommunikation per Video in der Entwicklung hilft, Anwenderfehler zu erkennen [Fabotec Herdabschaltung]
  7. Citizen Science: WiQQi liefert Ansätze, bestehendes Wissen und Erfahrung zu bündeln und verfügbar zu machen [Nachtlichtstudie]
  8. Implizites Wissen: 360°-Ansätze könnnen genutzt werden, um Wissen zu vermitteln – aber auch um implizites per Heatmaps zu erfassen [360°-Führung]
  9. Explizites Wissen: 360°-Ansätze können genutzt werden, um Technik transparent zu machen [Visuelle Signalisation]

Gibt es ein ethisches Clearing?

Ja. Für WiQQi liegt seit dem 8. Juni 2018 ein ethisches Clearing der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft vor.
WiQQi wird im Rahmen des Promotionsprojekts "Citizen Science in der Pflege am Beispiel der Entwicklung eines Technik-Beratungstools" entwickelt. Ein ausführlicher Ethikantrag wurde am 8. Juni 31. Juli 2017 bei der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft eingereicht. Das ethische Clearing wurde am 8. Juni 2018 erteilt.

Informationsschreiben

Information für die Mitwirkenden an der pflegewissenschaftlichen Studie: »Citizen Science in der Pflege am Beispiel der Entwicklung eines Technik-Beratungstools«

Sehr geehrte Interessierte, liebe Beratende, liebe Critical Friends

Technische Lösungen sind häufig unbekannt oder nicht evaluiert und erneuern sich rasch. Dies gestaltet die Beratung im Bürger-Profi-Technik-Mix schwer – insbesondere wenn im Anschluss an das individuelle Fallverstehen bedarfsgerechte Lösungen gesucht werden. Das Technik-Beratungstool soll Wissen aus verschiedenen Perspektiven zusammenführen und so dafür sorgen, dass die Recherche nach bedarfsgerechten Lösungen erleichtert wird und Lösungen systematisch evaluiert werden.

Ziele und Teilnahme

Entwicklungsziel: Die Studie begleitet die Entwicklung des Technik-Beratungstools: Im ersten Schritt werden die gemeinsamen Interessen gesammelt. Das ist wichtig, da mit das Technik-Beratungstool bestmöglich an die alltägliche Situation angepasst ist und so auch tatsächlich entlastet und Nutzen bringt. Im zweiten Schritt wer den gemeinsame Interessen priorisiert und gegenläufige Interessen aufgedeckt. Auf Grundlage dieser gemeinsamen Interessen soll das Technik-Beratungstool entwickelt und im dritten Schritt getestet werden.

Forschungsziel: Bisher unterstützen verschiedene »Produktkataloge« in der Beratung. Das Technik-Beratungstool möchte diese zentral erstellten Kataloge mit einer gemeinsam erstellten und gepflegten Datenbank ergänzen, die auch Evaluationsergebnisse enthält. Hierzu ist es sinnvoll, wenn viele Menschen einen kleinen, methodisch einwandfreien Beitrag leisten. Dieser Ansatz nennt sich »Citizen Science« (Bürgerwissenschaft). Auf diesem Prinzip bauen besonders Forschungen aus dem Bereich des Naturschutzes auf, z. B. Pflanzenkartierungen. Aber auch die Wikipedia wird vom Engagement Vieler getragen. In der Pflege gibt es nur wenige Projekte, die diesen Ansatz verfolgen, z. B. PflegeWiki. Deshalb gibt es kaum Wissen dazu, was notwendig ist, damit dieser Ansatz der gemeinsamen Arbeit funktioniert. Das Promotionsvorhaben möchte neben der Entwicklung des Technik-Beratungstools diese Lücke verkleinern. Hierfür entsteht Ihnen kein zusätzlicher Aufwand.

Teilnehmende: An der Entwicklung des Technik-Beratungstools beteiligen sich Menschen, die im Feld der freien Wohlfahrtspflege beratend tätig sind oder indirekt von den Folgen des Technik-Beratungstools betroffen sind. Diese Beteiligung ist wichtig, damit aus möglichst vielen Perspektiven die gemeinsam getragene Idee – und darauf aufbauend ein praxistaugliches Technik-Beratungstool – entwickelt werden kann.

Beteiligung: Die Entwicklung des Technik-Beratungstools erfolgt im sogenannten »Delphi-Verfahren«, das bedeutet, dass das gemeinsame Interesse in mehreren Studienabschnitten herausgearbeitet wird. Falls Sie am Experteninterview teilnehmen möchten bespreche ich mit Ihnen zunächst die Einwilligungserklärung. In den Studienabschnitten II und III ist die Einwilligungserklärung ein Teil des elektronischen Fragebogens.

Die drei Studienabschnitte

I) Experteninterviews: Im Einzel- oder Gruppengespräch sprechen wir über die aktuelle Situation in der Beratung und Ihre persönlichen Anforderungen an ein Beratungstool. In einem ca. 1–2,5 Stunden dauernden Gespräch möchte ich Ihre Erfahrungen aus dem Alltag sammeln. Wir können das Interview jederzeit unterbrechen und einen Folgetermin zur Fortsetzung nutzen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie führen wir die Interviews in der Regel fernmündlich, begleitet von einer Digitalen Pinwand für Memos. Unser Gespräch wird mit einem Diktiergerät aufgezeichnet und anschließend verschriftlicht. Dabei werden alle Aussagen pseudonymisiert, das bedeutet, dass man keine Rückschlüsse mehr auf Ihre Person ziehen kann. Anschließend werden alle Interviewtexte analysiert und aus den gemeinsamen Impulsen ein Fragebogen entwickelt. Zeitraum: Anfang 2021 bis Ende 2021.

II) Fragebogen: Mit einem elektronischen Fragebogen bewerten Sie aus Ihrem persönlichen Alltag heraus die Impulse aus den Experteninterviews. Per E-Mail lasse ich Ihnen den Link zu diesem Fragebogen zukommen. Sie können ihn online beantworten. Ziel ist es, diesen Fragebogen so kurz zu halten, dass er innerhalb einer Stunde beantwortet werden kann. In diesem Fragebogen werden keine Daten erhoben, die einen Rückschluss auf Ihre Person zulassen würden. Mit der Auswertung aller Fragebogen wird ein klares Bild erzeugt, wo die gemeinsamen Interessen liegen oder unterschiedliche Interessen vor liegen. Dies bildet die Basis für die Entwicklung des Technik-Beratungstools. Zeitraum: Anfang 2022 bis Mitte/Ende 2022.

III) Testung: Sie testen das Technik-Beratungstool im Alltag. Dabei werden – Ihre ausdrückliche Zustimmung vorausgesetzt – automatisiert Daten erhoben, die z. B. Auskunft über die Nutzerfreundlichkeit des Technik-Beratungstools geben. Darüber hinaus wird es die Möglichkeit zum Einbringen direkter Kritik geben sowie einen Fragebogen, der alle gesammelten Einzelkritikpunkte zusammenfasst. Der zeitliche Zusatzaufwand in diesem Projektabschnitt wird durchschnittlich bei etwa einer Stunde liegen. Zeitraum: Voraussichtlich Anfang 2023 bis Ende 2023.

Vorsicht statt Nachsicht

Risiken: Auch wenn es nicht das Ziel ist, die bisherige Praxis zu bewerten, kann die Reflexion der Strukturen und Prozesse, in denen sie stattfindet zu Irritationen führen: Der Dialog über Probleme kann Zweifel an der Richtigkeit über das eigene Handeln oder Frust über bestehende Einschränkungen im Handlungs- und Entscheidungsfreiräume auslösen. In der Zusammenarbeit, wie sie für das Technik Beratungstool vorgesehen ist, kann es darüber hinaus zu Vorbehalten oder Unbehagen beim Gerechtigkeitsempfinden kommen. So kann das Gefühl auftauchen, dass Einzelne deutlich mehr machen als Andere. Aus diesen Gründen ist die absolute Freiwilligkeit an der Teilnahme der Studie eine Grundvoraussetzung und ein Pausieren oder Abbruch der Teilnahme jederzeit möglich. Bei Bedarf besteht das Angebot der kommunikativen Bearbeitung.

Datenschutz: Im Rahmen des Entwicklungs- und Promotionsprojekts wird größter Wert auf die Wahrung der Anonymität der Teilnehmenden und des Datenschutzes gelegt. Persönliche Daten bis hin zur Tonaufnahme werden mit Abschluss des Projekts unwiderruflich vernichtet. Transparenz: Die Ergebnisse der Interviews aus dem ersten Studienabschnitt werden in Form eines Fragebogens an Sie zurückgegeben. Auch die Ergebnisse der Fragebogen werde ich an Sie weiterleiten. Die Ergebnisse des Promotionsverfahrens werden öffentlich publiziert.

Ausstieg und Abbruch: Sie können jederzeit Ihre Teilnahme an der Studie ein schränken oder widerrufen. Alle Daten, die Ihrer Person zugeordnet werden können, das sind die Interviews im Studienabschnitt I werden dann unmittelbar gelöscht. Bereits ausgewertete Inhalte aus den Interviews bleiben erhalten. Die anonymisiert erhobenen Daten aus den Studienabschnitten II und III können nicht zu Ihnen zurückverfolgt werden und bleiben damit ebenfalls erhalten.

Einverständniserklärung: Mailvorlage

Lieber Herr Huber,

anbei sende ich Ihnen meine

Einverständniserklärung zur Mitwirkung an der pflegewissenschaftlichen Studie: »Citizen Science in der Pflege am Beispiel der Entwicklung eines Technik-Beratungstools. Studienabschnitt I«

Ich wurde von der verantwortlichen Person (Josef M. Huber) für die oben genannte Studie vollständig über Wesen, Bedeutung und Tragweite der Studie aufgeklärt. Ich habe das Informationsschreiben gelesen und verstanden. Ich hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ich habe die Antworten verstanden und akzeptiere sie. Ich bin über die mit der Teilnahme an der Studie verbundenen Risiken und auch über den möglichen Nutzen informiert.

Ich hatte ausreichend Zeit, mich zur Teilnahme an der Studie zu entscheiden und weiß, dass die Teilnahme freiwillig ist. Ich wurde darüber informiert, dass ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen diese Zustimmung widerrufen kann, ohne dass dadurch Nachteile für mich entstehen.

Mir ist bekannt, dass meine Daten pseudonymisiert gespeichert und ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden.

Ich habe eine Kopie des Informationsschreibens und dieser Einverständniserklärung erhalten. Ich erkläre hiermit meine freiwillige Teilnahme an dieser Studie. Mir ist bewusst, dass ich meine Teilnahme an der Studie jederzeit einschränken oder widerrufen kann. Bis zur Auswertung bzw. Anonymisierung kann ich die von mir eingebrachten Daten löschen lassen. Für das Interview bedeutet das, dass ich während oder 72 Stunden nach dem Interview den Beginn der Auswertung der Daten durch eine Kontaktaufnahme zu Josef M. Huber verhindern kann.

Mit freundlichen Grüssen

Kurzfragebogen (vor dem Interview)

Dieser Kurzfragebogen ist Grundlage für die Erstellung einer Identifikationsliste und die deskriptive Beschreibung der Teilnehmendengruppe.

Alle Angaben sind freiwillig. Bitte äussern Sie es, wenn Sie etwas nicht beantworten möchten. Eine Begründung ist nicht notwendig.

  • Teilnehmendengruppe
    • Beratende
    • Critical Friends
  • ID-Nummer (für die Pseudonymisierung)
  • Name (für die Identifikationsliste)
  • Datum und Uhrzeit von/bis des Gesprächs.
  • Organisation (für die Anzahl der Beteiligten Organisationen)
  • Berufliches Handlungsfeld (zur Einschätzung der Reichweite der Ergebnisse)
  • Erreichbarkeit (für Nachfragen)
  • E-Mail-Adresse (falls ein Fragebogen-Link zugesandt werden darf)
  • Bei Beratenden: Beratungserfahrung (zur Einschätzung der Reichweite der Ergebnisse)
    • Beratungsfälle per (Jahr/Monat)
    • Konfrontiert mit Beratungen seit (Jahre)
    • Für Beratung aufgewendete Zeit je Woche
    • Davon Kontaktzeit mit Kunden

Leitfadeninterview - Formaler Teil

I) Begrüßung:

  • Dank für das Interesse am Experteninterview zum Technik-Beratungstool.
  • Icebreaker: Fragen nach dem Befinden/dem Tag.
  • Überleitung zum Beratungstool: Was wäre wenn in der aktuellen Situation ein »Technik-Beratungstool« zur Verfügung steht?
  • Zielsetzung des Interviews: Den gemeinsamen Kern des Technik-Beratungstools herausarbeiten (d.h. Fragebogenvorbereitung).
  • Rückversicherung der Freiwilligkeit (Gruppendiskussionen: im Uhrzeigersinn)
  • Versicherung, dass ein Aufnehmen des Gesprächs okay ist.
  • Bei einem Telefon-Interview: Ist der Link für die Pinnwand angekommen? Funktioniert der Zugang?
  • Vorstellung des Ablaufs

II) Einweisung in den Ablauf

  1. Sie können Ihre Teilnahme am Projekt jederzeit pausieren oder abbrechen. Dies gilt sowohl für das Interview als auch beim Fragebogen oder Testen.
  2. Darf ich einen Kurzfragebogen mit Ihnen durchgehen? - Nur hier werden persönliche Daten erhoben.
  3. Zu Beginn der Aufnahme lese ich einen Standardtext vor.
  4. Das Interview betrifft dann folgende Bereiche: Ist-Situation der Beratung, Problemstellen, Anforderungen und Wünsche an das Technik-Beratungstool. Offene Fragen und Themen.
  5. Ziel ist, das Sie reden, ich mache mir Notizen und frage im Idealfall eher am Ende jedes Interviewbereichs nach.
  6. Sie haben die Möglichkeit, mit Moderationskarten und Stift für Sie wichtige Punkte, Themen und Fragen zu notieren.
  7. Dauer: 1 bis 2,5h.
  8. Pausen, Unterbrechungen und Fortsetzungstermine sind jederzeit möglich.

III) Aufnahmestart und Standard-Text

  • Mein Name ist Josef Huber, das folgende Interview findet im Rahmen des Promotions- und Entwicklungsvorhabens »Citizen Science in der Pflege am Beispiel der Entwicklung eines Technik-Beratungstools« statt.
  • Die Verwendung des Interviews ist ausschließlich für diesen Zweck gedacht.
  • Das Interview trägt die ID-Nummer: _____
  • Ich frage meine/n Interviewpartner: Sind Sie mit der Aufzeichnung des Folgenden Gesprächs einverstanden?
  • Nehmen Sie an diesem Gespräch aus freiem Willen teil?
  • Wissen Sie, dass Sie die Teilnahme an diesem Gespräch und an weiteren Elementen der Studie jederzeit und ohne Nachteile für Sie oder Ihre Organisation abbrechen und binnen 72 Stunden Ihre Aussagen zurückziehen können?
  • Vielen Dank für Ihre Bereitschaft zur Teilnahme an diesem Interview.

    Leitfadeninterview - inhaltlicher Teil

    A) Ist-Situation in der Beratung

    • Bevor wir auf das Beratungstool eingehen, bin ich an der Situation einer Beratung interessiert.
    • Vielleicht haben Sie eine konkrete Beratungssituation vor Augen, vielleicht erinnern Sie die örtlichen Gegebenheiten und die Situation, kurz bevor die Beratung beginnt...
    • Bitte schildern Sie diese Beratungssituation.

    B) Problemstellungen in der Beratung

    • Was fällt Ihnen in einer solchen Beratung besonders schwer?
    • Was ist besonders zeitaufwändig oder lästig?
    • Welche Dinge ärgern Sie in einer Beratung?

    C) Anforderungen und Wünsche an das Technik-Beratungstool

    • Man kann sich das Technik-Beratungstool als »Black-Box« oder »Zaubermaschine« vorstellen, die Ihnen das für die Beratung relevante Wissen »auf Knopfdruck« liefern soll: Welche Anforderungen und Wünsche haben Sie an das Technik-Beratungstool?
    • Das Technik-Beratungstool thematisiert auch die digitale Zusammenarbeit. Gerade deshalb muss auch die persönliche Zusammenarbeit betrachtet werden: Was ist für Sie für eine gute face-to-face Zusammenarbeit notwendig und hilfreich?
    • Welche digitalen Möglichkeiten (Apps, Programme, Internetanwendungen) könnten Vorbild für die Kommunikation, Zusammenarbeit und den Wissensaustausch im Technik-Beratungstool sein?
    • Welche Dinge können Sie am Technik-Beratungstool kritisieren?

    D) Offene Fragen, Themen, Ergänzungen

    • Welche Fragen, sind für Sie aktuell noch offen?
    • Welche Impulse - auch zum methodischen Vorgehen - möchten Sie mir mitgeben?

    E) Gesprächsabschluss

    • Vielen Dank für Ihre Teilnahme am Interview.
    • Bis voraussichtlich Ende 2021 werde ich weitere Interviews führen, danach werde ich die Ergebnisse aller Interviews in Form eines Fragebogens an Sie weiterleiten.
    • Bei Fragen und Anregungen schreiben Sie mir gerne eine E-Mail oder rufen Sie mich an.


    Gibt es einen Entwicklungsplan?

    Ja. Die Entwicklung in WiQQi folgt einer qualitativ-quantitativen Logik.

    Aus der Netzwerkstudie (2019) haben wir gelernt, dass die Entwicklung von WiQQi als ein kontinuierlicher Veränderungsprozess zu sehen ist. Mit der Beta-Version von WiQQi kommen wir dem ausdrücklichen Wunsch unserer Gesprächspartner nach und konkretisieren unserer Idee von WiQQi. Von diesem gemeinsamen Standpunkt aus, machen wir uns auf den Weg, das zu entwickeln, was WIR gemeinsam unter WiQQi verstehen:

    1. 2021 - Qualitative Studie: In Interviews wird die Sicht auf auf WiQQi aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen und Anforderungen gesammelt.
    2. 2022 - Quantitative Studie: Die Impulse aus den (wenigen) Interviews werden auf Basis von quantitativen Fragebogen durch viele Menschen validiert.
    3. 2022 - Datenbank-Weiterentwicklung: Die die in der quantitativen Studie bestätigten Impulse werden umgesetzt.
    4. 2023 - Prerelease-Testung: Die Praxistauglichkeit der Umgesetzten Impulse wird getestet.

    Grundsätzliche Details sind im Ethik-Antrag aufgeführt. Insbesondere zeitliche Aspekte mussten jedoch überarbeitet und angepasst werden.

    Wie wird WiQQi finanziert?

    WiQQi ist in der Entwicklung privat finanziert. WiQQi finanziert sich nachhaltig durch Synergieeffekte und reduzierte Fehlerkosten.

    In der Entwicklung ist WiQQi privat und über verschiedene Projekte finanziert. Zur nachhaltigen Finanzierung denken wir allparteiliche, Modelle an. Wir haben in lokalen Netzwerken den Nutzen von Synergieeffekten und reduzierten Fehlerkosten so deutlich gespürt, dass wir davon ausgehen, dass sich die Frage der Finanzierung sehr schnell erledigen wird.

    Return of Invest

    Wichtiger als die Frage der Finanzierung ist die Frage, ab wann es sich lohnt, Wissen zu teilen. Grundsätzlich gilt hier: WiQQi lohnt sich für Personen und Organisationen, die weniger als 50% des relevanten Wissens selbst generieren, d.h. mehr als 50% recherchieren. (vgl. Nørretranders 2004)

    Ansätze der Finanzierung könnten (auch in Kombination) sein:

    • Grundsätzliche Ansätze
      • Mitgliedschaften: WiQQi ist auf fachlicher Ebene wirksam. WiQQi möchte über die bedarfsgerechte Pflege und Mikro-Fortbildungen einen Beitrag zur fachlich und ethisch reflektierten Qualitätsdefinition und stetigen Qualitätsverbesserung beitragen. Wir gehen davon aus, dass ein geringer Mitgliedsbeitrag (Kosten werden auf viele (kleine) Partner verteilt) enormen Effekten in der Mitarbeitergewinnung und Organisationsentwicklung gegenüberstehen. (Stiftungsmodell etc.)
      • durch die Mittel für Digitalisierungsmaßnahmen gemäß § 8 Abs. 8 SGB XI (bis Ende 2021)
      • ...
    • Anlassbezogene Ansätze
      • Auftragsarbeiten: WiQQi könnte anlassbezogen zur Umsetzung von Laboren finanziert werden. Diese Kosten könnten im Verbund oder durch einen einzigen Auftraggeber getragen werden.
      • ...
    • Lizenzgebühren
      • Offenes Wissen und Lizenzgebühren? Geht das? Vielleicht. WiQQi ist zunächst auf die Anwendung durch Einzelpersonen ausgerichtet. Falls diese Strukturen auch für Organisationen optimal sind, ist eine Finanzierung über Lizenzgebühren nicht möglich/sinnvoll.
      • Hersteller: Ein separater Zugang zur WiQQi-Datenbank für Hersteller eröffnet die Möglichkeit zur transparenten Selbstbewertung von Produkten durch Hersteller. Solange noch keine Evidence im Feld vorliegt, kann dies die Recherche erleichtern. Falls die Selbstbewertungen der Hersteller und der Erfahrungen im Bürgerlabor abweichen, können Missverständnisse wie z.B. Fehlanwendungen reduziert werden. Hersteller profitieren über direkte Rückmeldungen zu Kriterien und dem Auflösen von Missverständnissen. Kontrollinstument kann der "Videobeweis" sein.
      • Dokumentationssoftware: WiQQi könnte Anschluss an die Pflegedokumentation erhalten. Das bedeutet, dass die Erfahrungen der WiQQi-Gemeinschaft direkt in die Pflegeplanung mit einbezogen werden können. Somit kann Evidence aktuell gehalten werden.
      • ...
    • Finanzierung durch für Pflegende
      • Eine monetäre Finanzierung durch Pflegende oder interessierte Anwender schließen möchten wir unbedingt vermeiden, denn Pflegende und Betroffene leisten ihren Beitrag durch den Einsatz von Kreativität und ihrer persönlichen Perspektive. Viel eher streben wir an, dass engagierte Pflegende sich durch WiQQi ein Zubrot verdienen können.

    Citizen Science

    Weshalb verwendet WiQQi den Begriff "Citizen Science"?

    Der Begriff "Citizen Science" wurde uns nach drei Jahren Entwicklugszeit im Gespräch über das, was wir machen vorgeschlagen. WiQQi setzt nutzt den Begriff, um sich als Projekt methodisch zu verorten.

    Der Begriff "Citizen Science" beschreibt den Grundgedanken und die Haltung von WiQQi. Citizen Science wird als Bürgerwissenschaft, Laienwissenschaft oder nichtinstitutionelle Wissenschaft übersetzt. Alle Begriffe tragen Bedeutungen mit sich, weil WiQQi primär die professionelle Pflege adressiert. Professionell Pflegende sind keine Laien - und in der Regel an Institutionen angeschlossen. Und auch Pflegebedürfige und Pflegende Angehörige sind häufig Expertinnen und Experten in eigener Sache. Deshalb verwenden wir in WiQQi den ursprünglichen Begriff: Citizen Science.

    • Mit dem Begriff "Citizen Sicence" wollen wir Raum für Missverständnisse und deren Klärung eröffnen.
    • Damit wollen wir nicht an- und ausgesprochene sowie ungeklärte Missverständnisse reduzieren.

    In welchem Verhältnis steht Citizen Science zur institutionellen Forschung?

    WiQQi begreift Citizen Science als unabhängige, nichtinstitutionelle, vollwertige Forschung. Diese Forschung ist komplementär zur institutionellen Forschung.
    • WiQQi ist allparteilich und sucht den fachlich und ethisch reflektierenden, kriterienorientierten Diskurs. Damit ist Citizen Sicence:
      • Unabhängig: Citizen Science ist unabhängig von institutioneller Forschung.
      • Komplementär: WiQQi sieht sich als komplementäres und verbindendes Element zur institutionellen Forschung.
    • Citizen Science kann in zwei Grundbedeutungen unterschieden werden (vgl. Finke 2014, S. 42-43, vgl. Follett und Strezov 2015, S. 2):
      • Citizen Science light bedeutet eine nichtselbständige Form von Wissenschaft. In diesem Modell geht die institutionelle Forschung davon aus, dass sie die Arbeit der Laien planen, auswerten und kontrollieren muss.
      • Citizen Science proper dagegen ist eine autarke Wissenschaftsform. Sie ist breit in der Gesellschaft verankert. Die Laien benötigen keine Kontrolle durch die institutionelle Forschung.

    WiQQi sieht sich als Citizen Science proper, als autark an. Es geht darum, das Wissen und die Erfahrung, die für die tägliche Praxis relevant sind, zu sammeln. Wir wollen gemeinsam über Probleme und Lösungen nachdenken. Das Mitmachen in WiQQi ist freiwillig und reicht vom einmaligen kurzen Hinweis (z.B. auf einen Schreibfehler) bis hin zur Ausgestaltung von Methoden und Projekten.
    Die Idee von WiQQi kommt aus der Praxis. Die Entwicklung und Gestaltung von WiQQi wird durch die Praxis bestimmt.

    Wir haben Forschungsinstitute. Wozu brauchen wir Citizen Science?

    Citizen Science ergänzt die Institutionelle Forschung. WiQQi zielt auf einen Sofort-Nutzen für die Pflege ab. WiQQi bearbeitet die Themen, denen sich die Forschung nicht widmen kann.

    Finke (2014, S. 59; 2018, S. 32) nutzt unter anderem die Metapher eines Apfelbaums, um Citizen Science zu erklären:

    • Die Äpfel stehen dabei für die Erkenntnis, nach der wir streben. Die Tatsache, dass Äpfel an verschiedenen Stellen hängen, sagt nichts über ihre Qualität aus. Sie lässt aber einschätzen, wie hoch der Aufwand ist, den Apfel zu ernten. Es gibt Äpfel, die vom Boden aus erreicht werden können. Und es gibt Äpfel, die nur mit einer Leiter oder großen Anstrengungen erreicht werden können.
    • Die Leiter steht für komplizierte wissenschaftliche Geräte und Methoden, wie sie institutionellen Wissenschaft (z.B. in der Grundlagenforschung) Anwendung finden. Citizen Science dagegen bemüht sich um einfache Methoden. Citizen Science strebt nicht die höchste Genauigkeit an – sondern lediglich die Präzision und Belastbarkeit, die erforderlich ist, um den Alltag zu meistern.


    Dieser Metapher folgend kümmern wir uns in WiQQi um die naheliegende Erkenntnis. Gerade das naheliegende kann unsichtbar sein - bis wir durch ein Problem darauf aufmerksam werden. Wir nutzen diese Aufmerksamkeit und machen das Naheliegende durch Perspektivenvielfalt greifbar. Die Forschung in WiQQi beginnt, wenn im konkreten Einzelfall Probleme auftreten. Mit diesen Problemen müssen wir uns in der Praxis ohnehin beschäftigen - WiQQi bietet für einen geringen Mehraufwand in der Analysephase einen deutlichen Sofort-Nutzen in der Lösungsphase:

    • WiQQi erfordert die Dokumentation des Problems als Grundlage für die Kollaboration. Dies bedeutet kurzfristig einen Mehraufwand.
    • Diese Dokumentation führt jedoch zu zweierlei Sofort-Nutzen:
      • Einerseits wird das Problem durch die vertiefte Analyse präzisiert und damit leichter gelöst.
      • Andererseits ermöglicht die dokumentierte Analyse die Möglichkeit für andere, mögliche Lösungen beizusteuern.
    • Ab dem zweiten, ähnlichen Fall zeigt sich ein Nachhaltiger Nutzen:
      • Auf die vorausgehende Recherche kann aufgebaut werden.
      • Die vorausgehende Recherche wird einem neuen Fall aktualisiert.

    Was sind die naheliegenden Erkenntnisse, auf die WiQQi abzielt?

    "Nahe" liegen Erkenntnisse dann, wenn aktuelles Problembewusstsein auf umfangreiche Erfahrung trifft. Die naheliegenden Erkenntnisse sind das, was beide Parteien lernen, wenn erfahrene und weniger erfahrene Menschen sich über neue Fragen austauschen.

    Für WiQQi ist liegt die naheliegende Erkenntnis bei den Problemen des konkreten Einzelfalls. Wir nutzen dabei, dass akute Problemlagen sehr deutlich wahrgenommen werden. Diese deutliche Wahrnehmung verbinden wir mit der Distanz, die bereits gemachte Erfahrungen mit sich bringen können. Im Dialog beider Parteien helfen akute Probleme dabei, gemachte Erfahrungen zu bündeln und zu akzentuieren. Denn: der konkrete Einzelfall konfrontiert Erfahrungen mit dem konkreten Kontext und dem konkreten Feedback einer betroffenen Person. Daraus entstehen Kriterien für eine bedarfsgerechte Lösung. WiQQi nutzt damit sowohl der Person, die vor einem akuten Problem steht - als auch der Person, die durch das Feedback darin unterstützt wird ihre Erkenntnis auf den Punkt zu bringen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Wechselspiel auch den Effekt der Zurückhaltung im Team reduziert (Social Loafing/Ringelmann-Effekt).

    • Naheliegend sind Erkenntnisse dann, wenn Problembewusstsein auf Erfahrung trifft.
    • WiQQi beschäftigt sich kollaborativ mit Problemen und Themen, die ohne WiQQi an vielen Stellen allein bearbeitet werden.

    Von 2015 bis 2019 machten wir die Erfahrung, dass Erfahrung in lokalen Netzwerken aber auch von Einzelfall zu Einzelfall übertragen werden kann. Die Konzentration auf das naheliegende entlastete einerseits die Konzentration und führte andererseits immer wieder zu Synergien. Kriterien zum Nachtlicht wurden durch die Bedarfslage verschiedener Fälle entwickelt: Eine starke Diffusion des Lichts kann erwünscht sein, um Kontraste oder Spiegelungen zu vermeiden. Diese können bei Missinterpretation zu Ängste führen. Für Orientierungslichter oder Lichtsturkturen, die das Gleichgewicht adressieren, werden im Einzelfall dagegen starke Kontraste bevorzugt. Blenden soll das Nachtlicht jedoch nie. Auch die Farbe des Nachtlichts lässt sich vor verschiedenen Hintergründen reflektieren: Blaues licht gilt als aktivierend, grünes Licht als schlaffördernd und rotes Licht erhält die Nachtsicht.

    • Im Einzelfall naheliegende Erkenntnisse und Erfahrungen fördern die begründete und reflektierte Entscheidung im nächsten Einzelfall.
    • Ähnlich gelagerte Probleme helfen dabei, Erfahrung zu akzentuieren.

    In welchem Verhältnis stehen Citizen Science und Evidencebasiertes Handeln?

    WiQQi ist ein praxisorientiertes Instrument, mit dem systematisch Evidence geschaffen und in Handlungspraxis überführt werden kann. Der Ansatz verzehrfertigen Wissens untestützt evidencebasiertes Handeln im Alltag.

    Citizen Science ist durch die Verankerung in der Bürgerschaft mitten im lokalen Alltag und kann direkt beobachten, was die institutionelle Wissenschaft nur mit großem Aufwand leisten kann. Die Institutionelle Wissenschaft dagegen kümmert sich um allgemeingültige Aussagen und Maßstäbe und um Schlussfolgerungen, Theorien und Lehrsätze (vgl. Finke 2018, S. 38). Mit dem Anspruch an "verzehrfertiges Wissen" bündelt WiQQi sowohl interne als auch Externe Evidence. Hierzu werden Kriterien entwickelt, die im Sinne der doppelten Handlungslogik der Pflege zwischen allgemeingültigem Regelwissen und hermeneutischem Fallverstehen vermitteln.

    • WiQQi bündelt individuelle Erfahrungen aus dem Einzelfall in Form von Kriterien.
    • WiQQi bricht allgemeingültiges Regelwissen auf entscheidungsleitende Kriterien herab.
    • Mit der Entscheidung, ob und in welcher Ausprägung ein Kriterium im Einzelfall angewendet wird, bildet WiQQi die doppelte Handlungslogik der Pflege ab.
    • Damit kann WiQQi die Evidencebasierte Pflege unterstützen.

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