Citizen Science (Laienforschung)

Citizen Science (Laienforschung)

Was ist Citizen Science?

Wir verorten Citizen Science mit dem Bild des Apfelbaums: Während die Früchte der institutionalisierten Forschung hoch in der Baumkrone hängen, schaffen wir ein Gefäss für das Wissen, das überall auf dem Boden liegt. Ganz nach dem Motto: "Ein guter Most mit Freunden kann auch schön sein."

Weshalb verwendet WiQQi den Begriff
Der Begriff "Citizen Science" wurde uns nach drei Jahren Entwicklugszeit im Gespräch über das, was wir machen vorgeschlagen. WiQQi setzt nutzt den Begriff, um sich als Projekt methodisch zu verorten.

Der Begriff "Citizen Science" beschreibt den Grundgedanken und die Haltung von WiQQi. Citizen Science wird als Bürgerwissenschaft, Laienwissenschaft oder nichtinstitutionelle Wissenschaft übersetzt. Alle Begriffe tragen Bedeutungen mit sich, weil WiQQi primär die professionelle Pflege adressiert. Professionell Pflegende sind keine Laien - und in der Regel an Institutionen angeschlossen. Und auch Pflegebedürfige und Pflegende Angehörige sind häufig Expertinnen und Experten in eigener Sache. Deshalb verwenden wir in WiQQi den ursprünglichen Begriff: Citizen Science.

  • Mit dem Begriff "Citizen Sicence" wollen wir Raum für Missverständnisse und deren Klärung eröffnen.
  • Damit wollen wir nicht an- und ausgesprochene sowie ungeklärte Missverständnisse reduzieren.
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Was sind die naheliegenden Erkenntnisse, auf die WiQQi abzielt?
"Nahe" liegen Erkenntnisse dann, wenn aktuelles Problembewusstsein auf umfangreiche Erfahrung trifft. Die naheliegenden Erkenntnisse sind das, was beide Parteien lernen, wenn erfahrene und weniger erfahrene Menschen sich über neue Fragen austauschen.

Für WiQQi ist liegt die naheliegende Erkenntnis bei den Problemen des konkreten Einzelfalls. Wir nutzen dabei, dass akute Problemlagen sehr deutlich wahrgenommen werden. Diese deutliche Wahrnehmung verbinden wir mit der Distanz, die bereits gemachte Erfahrungen mit sich bringen können. Im Dialog beider Parteien helfen akute Probleme dabei, gemachte Erfahrungen zu bündeln und zu akzentuieren. Denn: der konkrete Einzelfall konfrontiert Erfahrungen mit dem konkreten Kontext und dem konkreten Feedback einer betroffenen Person. Daraus entstehen Kriterien für eine bedarfsgerechte Lösung. WiQQi nutzt damit sowohl der Person, die vor einem akuten Problem steht - als auch der Person, die durch das Feedback darin unterstützt wird ihre Erkenntnis auf den Punkt zu bringen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Wechselspiel auch den Effekt der Zurückhaltung im Team reduziert (Social Loafing/Ringelmann-Effekt).

  • Naheliegend sind Erkenntnisse dann, wenn Problembewusstsein auf Erfahrung trifft.
  • WiQQi beschäftigt sich kollaborativ mit Problemen und Themen, die ohne WiQQi an vielen Stellen allein bearbeitet werden.

Von 2015 bis 2019 machten wir die Erfahrung, dass Erfahrung in lokalen Netzwerken aber auch von Einzelfall zu Einzelfall übertragen werden kann. Die Konzentration auf das naheliegende entlastete einerseits die Konzentration und führte andererseits immer wieder zu Synergien. Kriterien zum Nachtlicht wurden durch die Bedarfslage verschiedener Fälle entwickelt: Eine starke Diffusion des Lichts kann erwünscht sein, um Kontraste oder Spiegelungen zu vermeiden. Diese können bei Missinterpretation zu Ängste führen. Für Orientierungslichter oder Lichtsturkturen, die das Gleichgewicht adressieren, werden im Einzelfall dagegen starke Kontraste bevorzugt. Blenden soll das Nachtlicht jedoch nie. Auch die Farbe des Nachtlichts lässt sich vor verschiedenen Hintergründen reflektieren: Blaues licht gilt als aktivierend, grünes Licht als schlaffördernd und rotes Licht erhält die Nachtsicht.

  • Im Einzelfall naheliegende Erkenntnisse und Erfahrungen fördern die begründete und reflektierte Entscheidung im nächsten Einzelfall.
  • Ähnlich gelagerte Probleme helfen dabei, Erfahrung zu akzentuieren.
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In welchem Verhältnis steht Citizen Science zur institutionellen Forschung?
WiQQi begreift Citizen Science als unabhängige, nichtinstitutionelle, vollwertige Forschung. Diese Forschung ist komplementär zur institutionellen Forschung.
  • WiQQi ist allparteilich und sucht den fachlich und ethisch reflektierenden, kriterienorientierten Diskurs. Damit ist Citizen Sicence:
    • Unabhängig: Citizen Science ist unabhängig von institutioneller Forschung.
    • Komplementär: WiQQi sieht sich als komplementäres und verbindendes Element zur institutionellen Forschung.
  • Citizen Science kann in zwei Grundbedeutungen unterschieden werden (vgl. Finke 2014, S. 42-43, vgl. Follett und Strezov 2015, S. 2):
    • Citizen Science light bedeutet eine nichtselbständige Form von Wissenschaft. In diesem Modell geht die institutionelle Forschung davon aus, dass sie die Arbeit der Laien planen, auswerten und kontrollieren muss.
    • Citizen Science proper dagegen ist eine autarke Wissenschaftsform. Sie ist breit in der Gesellschaft verankert. Die Laien benötigen keine Kontrolle durch die institutionelle Forschung.

WiQQi sieht sich als Citizen Science proper, als autark an. Es geht darum, das Wissen und die Erfahrung, die für die tägliche Praxis relevant sind, zu sammeln. Wir wollen gemeinsam über Probleme und Lösungen nachdenken. Das Mitmachen in WiQQi ist freiwillig und reicht vom einmaligen kurzen Hinweis (z.B. auf einen Schreibfehler) bis hin zur Ausgestaltung von Methoden und Projekten.
Die Idee von WiQQi kommt aus der Praxis. Die Entwicklung und Gestaltung von WiQQi wird durch die Praxis bestimmt.

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Wir haben Forschungsinstitute. Wozu brauchen wir Citizen Science?
Citizen Science ergänzt die Institutionelle Forschung. WiQQi zielt auf einen Sofort-Nutzen für die Pflege ab. WiQQi bearbeitet die Themen, denen sich die Forschung nicht widmen kann.

Finke (2014, S. 59; 2018, S. 32) nutzt unter anderem die Metapher eines Apfelbaums, um Citizen Science zu erklären:

  • Die Äpfel stehen dabei für die Erkenntnis, nach der wir streben. Die Tatsache, dass Äpfel an verschiedenen Stellen hängen, sagt nichts über ihre Qualität aus. Sie lässt aber einschätzen, wie hoch der Aufwand ist, den Apfel zu ernten. Es gibt Äpfel, die vom Boden aus erreicht werden können. Und es gibt Äpfel, die nur mit einer Leiter oder großen Anstrengungen erreicht werden können.
  • Die Leiter steht für komplizierte wissenschaftliche Geräte und Methoden, wie sie institutionellen Wissenschaft (z.B. in der Grundlagenforschung) Anwendung finden. Citizen Science dagegen bemüht sich um einfache Methoden. Citizen Science strebt nicht die höchste Genauigkeit an – sondern lediglich die Präzision und Belastbarkeit, die erforderlich ist, um den Alltag zu meistern.


Dieser Metapher folgend kümmern wir uns in WiQQi um die naheliegende Erkenntnis. Gerade das naheliegende kann unsichtbar sein - bis wir durch ein Problem darauf aufmerksam werden. Wir nutzen diese Aufmerksamkeit und machen das Naheliegende durch Perspektivenvielfalt greifbar. Die Forschung in WiQQi beginnt, wenn im konkreten Einzelfall Probleme auftreten. Mit diesen Problemen müssen wir uns in der Praxis ohnehin beschäftigen - WiQQi bietet für einen geringen Mehraufwand in der Analysephase einen deutlichen Sofort-Nutzen in der Lösungsphase:

  • WiQQi erfordert die Dokumentation des Problems als Grundlage für die Kollaboration. Dies bedeutet kurzfristig einen Mehraufwand.
  • Diese Dokumentation führt jedoch zu zweierlei Sofort-Nutzen:
    • Einerseits wird das Problem durch die vertiefte Analyse präzisiert und damit leichter gelöst.
    • Andererseits ermöglicht die dokumentierte Analyse die Möglichkeit für andere, mögliche Lösungen beizusteuern.
  • Ab dem zweiten, ähnlichen Fall zeigt sich ein Nachhaltiger Nutzen:
    • Auf die vorausgehende Recherche kann aufgebaut werden.
    • Die vorausgehende Recherche wird einem neuen Fall aktualisiert.
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In welchem Verhältnis stehen Citizen Science und Evidencebasiertes Handeln?
WiQQi ist ein praxisorientiertes Instrument, mit dem systematisch Evidence geschaffen und in Handlungspraxis überführt werden kann. Der Ansatz verzehrfertigen Wissens untestützt evidencebasiertes Handeln im Alltag.

Citizen Science ist durch die Verankerung in der Bürgerschaft mitten im lokalen Alltag und kann direkt beobachten, was die institutionelle Wissenschaft nur mit großem Aufwand leisten kann. Die Institutionelle Wissenschaft dagegen kümmert sich um allgemeingültige Aussagen und Maßstäbe und um Schlussfolgerungen, Theorien und Lehrsätze (vgl. Finke 2018, S. 38). Mit dem Anspruch an "verzehrfertiges Wissen" bündelt WiQQi sowohl interne als auch Externe Evidence. Hierzu werden Kriterien entwickelt, die im Sinne der doppelten Handlungslogik der Pflege zwischen allgemeingültigem Regelwissen und hermeneutischem Fallverstehen vermitteln.

  • WiQQi bündelt individuelle Erfahrungen aus dem Einzelfall in Form von Kriterien.
  • WiQQi bricht allgemeingültiges Regelwissen auf entscheidungsleitende Kriterien herab.
  • Mit der Entscheidung, ob und in welcher Ausprägung ein Kriterium im Einzelfall angewendet wird, bildet WiQQi die doppelte Handlungslogik der Pflege ab.
  • Damit kann WiQQi die Evidencebasierte Pflege unterstützen.
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