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Wissen

Definition

Wir verwenden den Begriff "Wissen" oft auch hart an der Grenze zu "Information". Das ist mitunter inhaltlich falsch - spiegelt aber die Transformation von "Information" zu "Wissen" und "Erfahrung" in der Anwendung wieder.

Abgrenzung: Daten - Information - Wissen - Weisheit
Daten sind die Grundlage für Informationen < Wissen < Weisheit

DIKW steht für die Begriffe Data, Information, Knowledge und Wisdom.

Daten... Daten sind roh. Es existiert einfach und hat keine Bedeutung, die über seine Existenz (an und für sich) hinausgeht. Es kann in jeder Form existieren, nutzbar oder nicht. Es hat keine eigene Bedeutung. Im Computerjargon beginnt eine Tabellenkalkulation im Allgemeinen mit der Speicherung von Daten.

Informationen... Informationen sind Daten, denen durch relationale Verbindungen eine Bedeutung verliehen wurde. Diese „Bedeutung“ kann nützlich sein, muss es aber nicht. Im Computerjargon stellt eine relationale Datenbank Informationen aus den darin gespeicherten Daten her.

Wissen... Wissen ist die angemessene Sammlung von Informationen, deren Zweck es ist, nützlich zu sein. Wissen ist ein deterministischer Prozess. Wenn sich jemand Informationen „auswendig lernt“ (wie es weniger ambitionierte, prüfungsorientierte Schüler oft tun), dann hat er Wissen angesammelt. Dieses Wissen hat für sie eine nützliche Bedeutung, aber es sorgt an und für sich nicht für eine Integration, die zu weiterem Wissen führen würde. Beispielsweise merken sich Grundschulkinder den „Stundenplan“ oder sammeln Wissen darüber an. Sie können Ihnen sagen, dass „2 x 2 = 4“, weil sie dieses Wissen gesammelt haben (es ist in der Stundentabelle enthalten). Auf die Frage, was „1267 x 300“ sei, können sie jedoch nicht richtig antworten, da dieser Eintrag nicht in ihrer Zeittabelle enthalten ist. Um eine solche Frage richtig zu beantworten, sind echte kognitive und analytische Fähigkeiten erforderlich, die erst auf der nächsten Ebene enthalten sind: dem Verständnis. Im Computerjargon nutzen die meisten von uns verwendeten Anwendungen (Modellierung, Simulation usw.) irgendeine Art von gespeichertem Wissen.

Verstehen... Verstehen ist ein interpolativer und probabilistischer Prozess. Es ist kognitiv und analytisch. Es ist der Prozess, durch den ich Wissen übernehmen und aus dem zuvor vorhandenen Wissen neues Wissen synthetisieren kann. Der Unterschied zwischen Verstehen und Wissen ist der Unterschied zwischen „Lernen“ und „Auswendiglernen“. Menschen mit Verständnis können nützliche Maßnahmen ergreifen, weil sie aus dem, was bereits bekannt (und verstanden) ist, neues Wissen oder in manchen Fällen zumindest neue Informationen synthetisieren können. Das heißt, das Verstehen kann auf aktuell vorhandenen Informationen, Wissen und dem Verstehen selbst aufbauen. Im Computerjargon verfügen KI-Systeme über Verständnis in dem Sinne, dass sie in der Lage sind, neues Wissen aus zuvor gespeicherten Informationen und Wissen zu synthetisieren.

Weisheit... Weisheit ist ein extrapolativer und nicht deterministischer, nicht probabilistischer Prozess. Es greift auf alle vorherigen Bewusstseinsebenen zurück und insbesondere auf spezielle Arten menschlicher Programmierung (moralische, ethische Kodizes usw.). Es lädt dazu ein, uns Verständnis zu vermitteln, für das es bisher kein Verständnis gab, und geht dabei weit über das Verständnis selbst hinaus. Es ist die Essenz philosophischen Nachdenkens. Im Gegensatz zu den vorherigen vier Ebenen werden Fragen gestellt, auf die es keine (leicht erreichbare) Antwort gibt und in einigen Fällen auch keinen allgemeingültigen Antwortzeitraum. Weisheit ist daher der Prozess, durch den wir auch zwischen richtig und falsch, gut und schlecht unterscheiden oder urteilen. Ich persönlich glaube, dass Computer nicht über die Fähigkeit verfügen, Weisheit zu besitzen, und dass dies auch nie der Fall sein wird. Weisheit ist ein einzigartiger menschlicher Zustand, oder wie ich es sehe, erfordert Weisheit, dass man eine Seele hat, denn sie wohnt sowohl im Herzen als auch im Verstand. Und eine Seele ist etwas, das Maschinen niemals besitzen werden (oder vielleicht sollte ich das umformulieren, um zu sagen, dass eine Seele etwas ist, das im Allgemeinen niemals eine Maschine besitzen wird).

Relevanz

Wissen & Sensibilisierung
Wer nicht weiss oder nicht vermutet, dass es eine Lösung gibt, arrangiert sich mit seinem Problem. Damit werden Möglichkeiten der Prävention und Beratung nicht genutzt.


Die Geschichte zur Knöpfhilfe erzählt von einer Frau, die in Folge einer Chemotherapie Sensibilitätsstörungen in den Fingern hatte. Sie trug fast ausschliesslich Blusen zum Knöpfen und hat alle weggeworfen. "Ich konnte sie nicht mehr sehen". Jahre später, weit nach Abschluss ihrer Therapie lernte sie in einer Musterwohnung die Knöpfhilfe kennen:

Das hätte mir so viel Kummer erspart!

Ähnliche Geschichten kennen wir aus anderen Beratungsfällen. Wer nicht mehr in die Badewanne kommt, wäscht sich vielleicht mit dem Waschlappen (wenn nicht bekannt ist, dass es Haltegriffe, Drehteller oder Möglichkeiten der Wohnraumanpassung gibt.



Referenzen in der Literatur

  • Es braucht mehr Bildungsangebote für ältere Menschen und Beratende.
  • Es braucht mehr Wissen als Voraussetzung für bedarfsgerechte Versorgung.
  • Es braucht mehr Aufmerksamkeit für Technik als Option in der Versorgung.
  • Als zentrales Argument für eine Qualitätsvolle Versorgung gilt eine bedarfsgerechte Versorgung.
  • Die Rolle von Technik in der bedarfsgerechten Versorgung soll aufgezeigt werden.
  • Als Zielgruppe der Sensibilisierung sollen nicht nur akut Betroffene gelten.
  • Sensibilisierung erfolgt zu spät - damit werden Präventionspotenziale verschenkt.

Es braucht mehr Bildungsangebote für Ältere Menschen und Beratende

In kontinuierlicher Abstimmung und Kooperation mit den Bundesländern sind Bildungsgelegenheiten für ältere Menschen in jeder Kommune zu schaffen. Gebraucht werden leicht zugängliche, quartiersbezogene Lernorte und Angebote im direkten Wohnumfeld älterer Menschen, die finanziell, räumlich und technisch angemessen ausgestattet sein müssen. Die Angebote müssen kostenfrei oder kostengünstig sein, damit auch ältere Menschen mit geringem Einkommen an Bildungsaktivitäten teilhaben können. Bei Bedarf sollten Lernangebote zudem in der eigenen Häuslichkeit und in Pflegeeinrichtungen durchgeführt werden (BAGSO 05/2022, S. 5-6)

Zentrales Ziel muss es auch sein, Angebote für ältere Menschen in ihrer Vielfalt zu schaffen. Ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sollte den Personengruppen zuteilwerden, die von bisherigen Angeboten häufig nicht erreicht werden. Dies gilt insbesondere für Menschen mit geringer formaler Bildung, mit prekärer Alterssicherung, im hohen und höchsten Alter und für Ältere mit Zuwanderungsgeschichte. Auch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, mit Behinderungen und Pflegebedarf müssen leicht zugängliche Bildungsangebote entwickelt werden. Dabei sollen ihre Ressourcen und Fähigkeiten in den Mittelpunkt gestellt und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ihnen den Zugang erleichtern. (BAGSO 05/2022, S. 5-6)


Wissen ist Voraussetzung für bedarfsgerechte Versorgung

Aufgrund des explorativen Charakters der Studie gibt es einige Limitierungen für die vorliegende quantitative Erhebung. Diese wurden sowohl im Forschungsprozess, der Methodik als auch durch die Rückmeldung der Teilnehmenden identifiziert. Insbesondere die breite Aufstellung der Studie über alle Hilfsmittelproduktgruppen hinweg wurde von den Teilnehmenden als Hürde identifiziert. Es ist demnach davon auszugehen, dass bei der Durchführung des Fragebogens zumeist ein Produkt oder eine Produktgruppen in der Wahrnehmung der Teilnehmenden vorrangig präsent war. (Raschper et al. 2022, S. 63 im PDF)

Hinsichtlich der beeinflussenden Faktoren kann herausgestellt werden, dass gewisse Aspekte übergreifend für alle Teilnehmendengruppen von hoher Relevanz sind. Dazu gehört insbesondere die Passung zwischen Hilfsmittel und Bedarf der Nutzer*innen, und dass die Hilfsmittel durch diese angewendet werden können. Ein weiterer Schwerpunkt bei den beeinflussenden Faktoren bilden die Kategorien, die sich in interaktiven Situationen des Versorgungs-prozesses, wie der Zusammenarbeit, Kooperation und Kommunikation zwischen Nutzer*innen und den anderen Akteuren im Gesundheitswesen, manifestieren. Dazu gehören z.B. die angebotene Beratung der Hilfsmittelleistungserbringer*innen, die Aufklärung der Nutzer*innen durch die weiteren Leistungserbringer*innen oder die Kooperation der Kostenträger mit den Nutzer*innen. Außerdem gibt die Kategorie Ausmaß der Motivation und des Engagements auf Seiten der weiteren Leistungserbringer*innen einen Hinweis darauf, dass die Versorgung über die gesetzlichen Vorschriften hinaus eine Auswirkung auf die Versorgungsqualität hat. Bei anderen Aspekten gab es auffällige Unterschiede, beispielsweise bei der Relevanz der Höhe der Herstellungskosten, der Bereitschaft zur Kostenübernahme und der Bereitschaft zur Ausstellung von Folgerezepten. Zusammenfassend kann bezüglich der beeinflussenden Faktoren festgehalten werden, dass hier besonders die produkt- und prozessbezogenen Aspekte von hoher Bedeutung sind. (Raschper et al. 2022, S. 62 im PDF)


Es braucht mehr Aufmerksamkeit für Technik als Option in der Versorgung

Öffentlichkeitsarbeit dient aus Sicht der Expert*innen zunächst den Ratsuchenden selbst, d. h. Privatpersonen, die aufgrund einer konkreten Bedarfssituation Wohn- und Technikberatung benötigen (können). Die Befragten sehen sie als einen wichtigen Weg, Ratsuchende über Technikberatung und die Möglichkeiten technischer Unterstützung zu informieren. Der Zweck der Öffentlichkeitsarbeit sollte vor allem der Sensibilisierung, Informationsvermittlung und Aufklärung dienen und nicht etwa dem Ziel, möglichst viele Ratsuchende von den Vorzügen technischer Hilfen zu überzeugen. Gute Öffentlichkeitsarbeit ist demnach in der Lage, die Rolle von Technik innerhalb einer bedarfsgerechten Versorgung aufzuzeigen, dient jedoch nicht dazu, eine Maßnahme zur Förderung gesamtgesellschaftlicher Technisierung zu sein. Die befragten Expert*innen gehen zwar davon aus, dass die Einführung von Technikberatung und ihr steigender Bekanntheitsgrad die Nachfrage nach entsprechenden Technologien befördern werden. Die Hauptursache einer steigenden Nachfrage nach Technikberatung sehen sie jedoch nicht in der Verfügbarkeit des Angebotes an sich, sondern im steigenden Gesamtinteresse an digitalen assistiven Technologien in einer digitalisierten Gesellschaft. Neben der Informationsvermittlung und Aufklärung messen einige Expert*innen auch weiteren Zielen von Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Bedeutung zu. Dazu gehören Kompetenzerweiterung, Befähigung, Bildung und Prävention. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 81, Hervorhebungen JH)

Aufgrund der hohen Bereitschaft zur Techniknutzung unter pflegenden Angehörigen der erwachsenen Kindergeneration, die ihre Elterngeneration pflegt, machen einige Befragte auf das große Potenzial präventiver Beratung aufmerksam. So können erwachsene Kinder, die sich für die Anpassung des Wohnraums und die technische Ausstattung der Wohnungen ihrer Eltern mit Pflegebedarf bemühen, für notwendige Maßnahmen in ihren eigenen Wohnungen sensibilisiert werden. Daher plädieren einige Interviewpersonen dazu, Menschen in allen Lebenslagen auf die Möglichkeiten technischer Hilfen aufmerksam zu machen und als Zielgruppe nicht nur die zu beratenden Personen zu betrachten, sondern auch deren Netzwerke, die zum einen mit dem Ziel der Unterstützung und Entlastung, zum anderen im Sinne der eigenen Prävention angesprochen werden können. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 124, Hervorhebungen JH)

Daher ist es wichtig, dass Wohn- und Technikberatungsstellen an der Entwicklung entsprechender Konzepte zur Prävention mitwirken, die an potenziell Ratsuchende gerichtet sind. Die Vermittlung von grundlegender Digitalkompetenz, z. B. mithilfe verschiedener Qualifizierungsformate, kann dabei eine geeignete Brücke zur (späteren) Akzeptanz und Nutzung assistiver digitaler Technik bilden. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 72, Hervorhebungen JH)


Es braucht Beratungs-, Reflexion- und Implementierungskompetenz

7. Digitale Kompetenzen in für ältere Menschen relevanten Berufsgruppen fördern Das Wirken bestimmter Berufsgruppen hat im Leben oder für das Leben älterer Menschen eine besondere Bedeutung. Gemeint sind hier vor allem Berufsgruppen in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Soziale Arbeit, Architektur und Handwerk, aber auch Handel, Banken und Versicherungen. Die Kommission empfiehlt der Bundesregierung und den Ländern, Gesetze und Regelungen auf den Weg zu bringen, die sicherstellen, dass der Erwerb von digitalen Kompetenzen und die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf den eigenen Arbeitsbereich und auf das Leben älterer Menschen feste Bestandteile in allen Ausbildungscurricula dieser Berufsgruppen werden. Das Ziel sollte sein, bei den Angehörigen dieser Berufsgruppen eine umfassende Beratungs-, Reflexions- und Implementierungskompetenz im Hinblick auf einen angemessenen Einsatz digitaler Technologien auszubilden. (BMFSFJ 2020, S. 137, Hervorhebungen JH)

  • Durch Kollaboration können Entwicklungskosten geteilt werden - das hebt Benachteiligungen kleinerer Akteure (Gemeinden/Organisationen/Ehrenamt) auf.
  • Durch Kollaboration können Ergebnisse/Feedback geteilt werden - so kann sich die persönliche nähe kleinerer Akteure als zentrale Stärke genutzt werden.
  • Durch Kollaboration kann auch eine Basis für die Mitgestaltung der Technikentwicklung geschafft werden.


Es braucht mehr Kooperation

Sensibilisierung und damit Öffnung gegenüber dem Gedanken der Prävention können auch durch Qualifizierungsangebote gefördert werden. So können etwa spezifische Formate entwickelt werden, die Öffentlichkeitsarbeit mit Befähigung von Ehrenamtlichen, von älteren Menschen, Ratsuchenden, Auszubildenden, Schüller*innen usw. verbinden. Wie stark sich eine Beratungsstelle den Bildungsaufgaben zuwendet, hängt aus Sicht der Expert*innen von ihrem Tätigkeitsprofil und ihrer Größe ab. So sind beispielsweise größere Beratungsstellen in der Lage, eigene Veranstaltungen zu konzipieren, die der Öffentlichkeitsarbeit und der Kompetenzvermittlung zugleich dienen können. Einige Expert*innen berichten ebenfalls über Kooperationen mit anderen Einrichtungen, die zum Zweck gemeinsamer Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit eingegangen werden. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 82, Hervorhebungen JH)

Aus Sicht einiger Expert*innen ist es daher wichtig, nicht nur die Beteiligung künftiger Nutzer*innen – unter Beachtung besonderer methodischer Gütekriterien – zu unterstützen, sondern auch die Kooperation zwischen Technikentwicklung sowie Wohn- und Technikberatung zu fördern. Projekte, in denen Technologien für Zielgruppen der Wohn- und Technikberatung entwickelt werden, sollten auf derartige Kooperationen häufiger zurückgreifen und die Erfahrungen der Berater*innen viel stärker berücksichtigen. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 176, Hervorhebungen JH)

Empfehlung 1: Vorhandene Strukturen nutzen und damit Brücken bauen in die digitale Welt. Bereits existierende Freiwilligeninitiativen, Aktivitäten von Kirchengemeinden und Begegnungsstätten oder Volkshochschulen sollen zur Sensibilisierung und Befähigung im Kontext des Themas Digitalisierung genutzt werden. In möglichst niederschwelliger Zugangsweise könnten sich dabei alte Menschen Schritt für Schritt mit digitaler Technik vertraut machen. Gewohnte Kanäle wie Telefon (z. B. „Klöntelefon“) und bereits existierende gesellige Kontaktformen sind als erste Strategien sinnvoll, um bestehende Zugänge zu wenig technikaffinen Menschen zu nutzen, erste digitale Erfahrungen zu ermöglichen und Hemmschwellen abzubauen. In diesem Rahmen kann der digitale Kompetenzerwerb „en passant“ erfolgen, die Hinführung an digitale Technologien mit dem positiven Gemeinschaftserleben verknüpft werden. Zusätzlich können geschulte Freiwillige dabei als „digitale Mittler“ ihr Wissen weitergeben (auch als „peer-to-peer“- Ansatz5) und bei der Anwendung technischer Systeme begleiten. Damit entsteht ein attraktives neues Feld, das die Optionen im Bereich der Strukturen des Freiwilligen/ Bürgerschaftlichen Engagements sinnvoll erweitert. Das Motto sollte lauten: Brücken bauen zu digitalen Techniken über vorhandene Alltagskontakte und - begegnungsformen. (DGGG 2022, S. 3-4, Hervorhebungen JH)

Es braucht ernst gemeinde Partizipation

Empfehlung 5: Partizipationsmöglichkeiten bei Technikentwicklung anbieten und gleichzeitig ambivalenten Haltungen Beachtung schenken. Die Partizipation künftiger und potenzieller Nutzergruppen ist ein wichtiger Aspekt bei künftiger Technikentwicklung. Allerdings braucht die Einbindung älterer und alter Menschen einen angemessenen Rahmen und die dabei entstehende Dynamik aus differierenden Erwartungen und Sichtweisen muss eine entsprechende Beachtung erfahren. Auch ambivalente Haltungen und Befürchtungen im Kontext der Digitalisierung müssen dabei Raum und Beachtung erfahren. Wenn das nicht gegeben ist, kann schnell das Gefühl einer „Feigenblattpartizipation“ entstehen – das heißt, dass sich die beteiligten Älteren auch instrumentalisiert fühlen können. Die bisherigen Erfahrungen in diesem Kontext sind noch sehr divers und es bedarf hier einer deutlichen Nachsteuerung im geeigneten methodischen Vorgehen. Einbindung und Beteiligung können aber auf jeden Fall mehr Vertrauen in und einen offeneren Umgang mit digitalen Technologien ermöglichen und die Entwicklung digitaler Souveränität älterer und alter Menschen fördern, auch im Kontext von Datenschutz und der Wahrung von Persönlichkeitsrechten. (DGGG 2022, S. 5, Hervorhebungen JH)

Auswahlproblem - Wissen to go
Informationen, die veraltet sind, können die Entscheidungsfindung nachteilig beeinflussen. Informationen, die zu komplex sind, können in der Entscheidungsfindung zu Überforderung führen.


Wir haben in verschiedensten Situationen ein Motorschloss installiert. Dabei bemerken wir einerseits, dass sich zentrale Fragen wiederholen:

  • Muss nur eine Haustür geöffnet werden - oder auch eine Wohnungstür?
  • Kann die Tür von aussen geöffnet werden, wenn innen ein Schlüssel steckt?
  • Ist an der Tür ein Schlüsselloch oder ein Drehknauf zum Verriegeln der Tür?

Wir hatten mit zwei baugleichen Fernbedienung an zwei baugleichen Türen den Effekt erlebt, dass sich unter gleichen Bedingungen eine Tür mit der Fernbedienung öffnen liess - die andere nicht. Diese Information ist relevant, um mögliche unerwünschte Effekte vorauszudenken. Sie ist aber für das betroffene Motorschloss nicht mehr aktuell, weil unsere Fehlermeldung vom Hersteller aufgegriffen wurde und eine neue Fernbedienung entwickelt wurde.

Traditionelle Forschung beantwortet die Frage, ob ein Motorschloss das Aging in Place unterstützen kann. Wir brauchen aber auch Antworten auf die Frage: Welches Motorschloss passt zu meiner individuellen Bedarfslage.

Wir bemerken aber auch, dass Fehlinformationen kaum korrigiert werden können, wenn sie in geschützten Gruppen (Foren, Messenger, Dialoge) nicht aktualisiert werden. Veränderungen oder Updates von Produkten können wir als "Verbesserung" bewerten, wenn etwa ein Fehler behoben wurde. Wir können sie aber auch als "Verschlechterung" bewerten, wenn gewünschte Eigenschaften nicht mehr vorhanden sind. Für unsere Entscheidungen ist es aber wichtig, dass die Informationen, die wir mit einbeziehen sowohl aktuell als auch relevant sind.



Referenzen in der Literatur

  • Informationsbeschaffung und Wissensaufbau ist aufwändig
  • Wissensvermittlung ist komplex.
  • Es braucht allparteiliche Wissensformate ("Hersteller- und Produktneutralität")
  • Es braucht Beratungs-, Reflexion- und Implementierungskompetenz

Informationsbeschaffung und Wissensaufbau ist aufwändig

Da umfassende, zuverlässige und zugleich fachlich abgesicherte Informationsquellen fehlen, wird diese Art der Informationsbeschaffung als unzuverlässig, aufwendig und begrenzt betrachtet. Daher sehen viele Expert*innen die Zurverfügungstellung entsprechender Informationen als eine kollektive und gesellschaftliche Aufgabe, die nicht in der Verantwortung einzelner Berater*innen oder Beratungsstellen liegen darf. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 28, Hervorhebungen JH)


Wissensvermittlung ist komplex

Neben der Frage nach dem spezifischen Charakter der o.g. Kompetenz, befassen sich die befragten Expert*innen ebenfalls mit geeigneten Wegen ihrer Vermittlung – insbesondere vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit des erworbenen Wissens. So betonen einige Befragte, dass es in der Technikberatung – neben dem stärker praxisorientierten Wissen über Produkte, Hersteller und deren Merkmale – ebenfalls wichtig sei, über ein Grundverständnis von (digitaler) Technik, deren Gestaltung, Nutzung und Anpassung zu verfügen. Dies impliziert, dass Berater*innen nicht nur über ein „Produkt- und Gerätewissen“, sondern auch über ein konzeptionelles Technologie-Wissen verfügen sollten. Diese Überlegung bedeutet zwar nicht, dass Berater*innen mit allen Details der Technologien und ihrer Entwicklung vertraut sein müssen. Sie benötigen allerdings eine Grundvorstellung von den technologischen Grundbausteinen digitaler Technik sowie der nutzer*innengerechten Gestaltung technischer Objekte und Anwendungen, um neue Entwicklungen auf dem Markt fachlich fundiert bewerten zu können. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 28-29, Hervorhebungen JH)


Es braucht allparteiliche Wissensformate ("Hersteller -und Produktneutralität")

Obwohl das Prinzip der Neutralität von allen Expert*innen einvernehmlich als ein entscheiden-des Qualitätsmerkmal der Wohn- und Technikberatung betrachtet wird, bestehen unterschied-liche Ansichten darüber, auf welche Weise bzw. durch welche konkreten Maßnahmen die gebotene Unabhängigkeit konkret gewährleistet werden soll. Dazu gehört etwa die Frage, ob Unabhängigkeit ausschließlich finanziell hergestellt werden muss oder sie auch die Ebene der Kooperation betrifft. So kann aus Sicht einiger Expert*innen ein als erforderlich erachtetes Maß an Neutralität bereits dann gefährdet sein, wenn Wohn- und Technikbera-tungsstellen mit Herstellern von Produkten kooperieren.

[...]

Neben der Herstellung von Unabhängigkeit auf der Finanzierungs- und Kooperationsebene, wird Neutralität auch als Ausdruck eines spezifischen Vorgehens in der Beratung betrachtet, das z. B. daran erkennbar ist, dass Berater*innen keine Informationen über die Hersteller von Produkten vermitteln.

[...]

Dieses Verständnis von Neutralität wird von den Expert*innen aus verschiedenen Perspekti-ven reflektiert und unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien, wie z. B. der Zumutbarkeit (für Ratsuchende), der digitalen Spaltung bis hin zur professionellen Verantwortung diskutiert. Im Hinblick auf die Zumutbarkeit weisen die Expert*innen darauf hin, dass es für digitale as-sistive Technologien keine vollständigen Markt- bzw. Informationsübersichten gibt. Eine Infor-mationsbeschaffung durch Ratsuchende kann sich demzufolge als langwierig und damit als belastend herausstellen und zugleich dazu führen, dass sie Produkte von Anbietern auswäh-len, die sich durch ein besonders aggressives Marketing auszeichnen. (Weidekamp-Maicher 2022, S. 40, Hervorhebungen JH)



Es braucht Beratungs-, Reflexion- und Implementierungskompetenz

7. Digitale Kompetenzen in für ältere Menschen relevanten Berufsgruppen fördern Das Wirken bestimmter Berufsgruppen hat im Leben oder für das Leben älterer Menschen eine besondere Bedeutung. Gemeint sind hier vor allem Berufsgruppen in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Soziale Arbeit, Architektur und Handwerk, aber auch Handel, Banken und Versicherungen. Die Kommission empfiehlt der Bundesregierung und den Ländern, Gesetze und Regelungen auf den Weg zu bringen, die sicherstellen, dass der Erwerb von digitalen Kompetenzen und die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf den eigenen Arbeitsbereich und auf das Leben älterer Menschen feste Bestandteile in allen Ausbildungscurricula dieser Berufsgruppen werden. Das Ziel sollte sein, bei den Angehörigen dieser Berufsgruppen eine umfassende Beratungs-, Reflexions- und Implementierungskompetenz im Hinblick auf einen angemessenen Einsatz digitaler Technologien auszubilden. (BMFSFJ 2020, S. 137, Hervorhebungen JH)



Wissen in WiQQi

Initial-Aufwände reduzieren
Das IzM benutzt zwei Stellhebel, um Initialaufwände zu reduzieren:
(1) Spezialisierung: Das IzM ist geübt und fokussiert auf den Umgang mit Initialaufwänden bei der Marktanalyse.
(2) Kollaboration: Wenn das IzM oder ein Netzwerkpartner zu einem Thema bereits Erfahrung hat, reduziert diese Erfahrung die Initialaufwände.

Was sind Initial-Aufwände?

Initialaufwände entstehen am Anfang von etwas neuem. Sie fallen Einmalig an und erschweren den Start etwas neuen.

Wo entstehen Initial-Aufwände in der Technikberatung?

Die Themenoffene Technikberatung als Individuelle Dienstleistung geprägt von der Komplexität der Bedarfe auf der einen dynamischen Innovationsumfeld auf seite der Technischen Lösugnen.

  • Bedarfserfassung: Zu Beginn der Beratung steht die Bedarfsklärung: Was genau ist das Problem, was genau ist das Ziel und in welchem Kontext und sozialen Geflecht entsteht der Bedarf?
  • Lösungskonzepte: Ist der Bedarf erstmals greifbar, beginnt ein sich wiederholender Prozess, in dem nach Mechanismen zur Bedarfsdeckung sucht.
  • Marktanalyse: Die Marktanalyse klärt die Frage, welche konkreten Lösungen es gibt und welche Suchbegriffe für Sie verwendet werden.
  • Differenzierung: Der Vergleich verschiedener Lösungen stellt deren Unterschiede heraus und erlaubt die Reflexion auf den Bedarf.
  • Herstellerkommunikation: Die Kommunikation mit Herstellern klärt offene Fragen.

Wie wirkt Spezialisierung gegen Initial-Aufwände?

WiQQi und das IzM spezialisieren sich mit den Beratenden vor Ort die Beratung in drei Bereichen:

  • Beratungs- und Beziehungsarbeit: Die Kernarbeit der Beratung liegt darin, Bedarfe zu extrahieren und zu formulieren. Diese Arbeit muss und soll von echten Menschen vor Ort geleistet werden. Beratende sind darüber hinaus in der Lage, Erfahrung und damit belastbare Daten zu erfassen.
  • Wissens-Aufbau: Das IzM kümmert sich um den Bereich der Informationssammlung. Diese Spezialisierung sorgt für Effizienz im Prozess. Das IzM strebt dabei im Pareto-Prinzip darauf hin, einen wesentlichen Grundstock an Informationen zu liefern. An diesen Grundstock fällt es allen anderen Parteien leicht, weiteres Wissen anzudocken.
  • WiQQi: WiQQi liefert die digitale Infrastruktur für die Technikberatung. Das IzM arbeitet in diese Struktur hinein - die Beratenden vor Ort können sich aus dieser Struktur heraus an Inhalten und Instrumenten bedienen - aber auch konkrete Praxiserfahrung ins System einspeisen.

Wie wirkt Kollaboration gegen Initial-Aufwände?

Das IzM steht sowohl als Drehscheibe für Erfahrungsträger - als auch als Unterstützender Partner für die Beratenden zur Verfügung - die Kollaboration hebt durch die geteilte Erfahrung das Qualitätslevel an. WiQQi trägt als digitale Infrastruktur als leitendes Instrument dazu bei, Prozesse zu optimieren und sorgt dadurch durch Kontinuität für eine Reduktion von Initial-Aufwände.

  • Geteilte Kosten: Sowohl das IzM als auch WiQQi verteilen die Kosten auf viele Schultern. Weil Erfahrung sich vermehrt und nicht reduziert, wenn wir sie teilen, kann durch Kollaboration bessere Qualität zu geringeren Kosten erreicht werden - verglichen mit dem Einzelkämpfertum.
  • Spezialisierung & Perspektivenvielfalt: Die Spezialisierung erhöht die Effizienz im Kollaborationsnetzwerk. Das arbeitsteilige Vorgehen erhöht die Perspektivenvielfalt bei der Fallarbeit und erhöht damit die Ergebnisqualität.
  • Komplexität & seltene Phänomene: Technikberatung im Bereich von Aging in Palce ist immer wieder konfrontiert mit besonderen Fallkonstellationen. Dabei treten Phänomene auf, die für die einzelne Beratungsstelle als "selten" oder "einmalig" bezeichnet werden können. Sie sind besonders aufwändig zu lösen. Über das eigene Quartier hinaus gedacht wiederholen sich solche Fälle aber. Hier hilft Kollaboration im Netzwerk auch aus weit entfernten Regionen Expertise anderer Beratender einzuholen.

WiQQi - Verzehrfertiges Wissen
Der Begriff "verzehrfertiges Wissen" ist eigentlich inhaltlich falsch.
Wir verwenden Ihn als eine Abkürzung für "Verzehrfertige Informationen die sich rasch in Wissen transformieren lassen".

1) WiQQi stellt Dir niederschwellige Informationen zur Verfügung

WiQQi ist Deine digitale Infrastruktur für die Technikberatung. Wir bieten Informationen die auch per Knopfdruck ausgedruckt werden können.

  • Wir listen Lösungen auf. Lösungen das Breite Spektrum von Tipps & Tricks über bewährte Hilfsmittel bis hin zu Innovation und High-Tech.
  • Wir nutzen entscheidungsleitende Kriterien, um die vielzahl der Lösungen zu bündeln.
    • Wir bündeln ähnliche Lösungen in "Lösungsansätzen"
    • Wir verbinden Lösungen durch die individuelle Fallarbeit mit Anforderugnen und Erfahrugnen.
    • Wir verbinden Lösungen, Termine und Orte mit Landkarten
  • Wir bieten Dir Druckfunktionen, mit dem Du das die Informationen aus WiQQi auf Knopfdruck aus dem digitalen Raum heraus auslösen kannst.

2) Kontext, Gedanken und Anwendung dazugeben

Du hast die Möglichkeit, die Informationen aus WiQQi mit Deiner Erfahrung und Deinem Kontextwissen zu verbinden und zur Anwendung zu bringen.

  • Du legst z.B. Technik-Visitenakrten oder Beratungswaben auf den Tisch.
  • Ratsuchende können die Karten in den Fokus rücken oder von sich wegschieben.

3) Wissen und Erfahrung entsteht

Auf dieser Brücke zwischen allgemeingültiger Information und dem kontext der Beratungssituation entsteht Wissen.

  • Vorerfahrungen können an die bestehenden Gedanken andocken.
  • Dabei entstehen auch Fragen.
  • Aus Erfahrung und Fragen entstehen Entscheidungsleitende Kriterien.
  • Gemeinsam wirds gut: Wenn wir unsere Erfahrung in Form von Kriterien teilen, können wir in der Beratung auch die Erfahrung einbringen, die uns spontan fehlt.


Wenn andere eine gute oder schlechte Erfahrung gemacht haben, kann ich mich fragen: Ist das auch für mich relevant? So muss ich nicht jeden Fehelr selbst machen.

Haptische Wissensvermittlung

WiQQi Druckfunktion

A4-Formate

A4-Formate sind primär Instrumente für Beratende, die zur Sensibilisierung und Informationsvermittlung dienen.

Visitenkarten-Formate

Die Visitenkarten-Formate folgende dem Wunsch von Ratsuchenden, etwas greifbares aus der Beratung mitzunehmen. Zum pragmatischen Umgang mit dem Format sind Visitenkartenschneider ein sinnvolles, ergänzendes Instrument.


Beratungs-Waben

Die Beratungs-Waben sind auf Wunsch von Beratenden entstanden. Zentrales Element sind magnetische, 3D-gedruckte Rahmen für die Sechseckigen-Beratungswaben als Beratungsinstrument. Sie werden ergänzt von Visitenkarten zum Mitgeben für die Ratsuchenden und Fact-Sheets zum Ausdrucken für Beratende. Hinter allen Instrumenten steht die gemeinsam gepflegte Datenbank.

Administrative-Formate

Administrative Formate dienen primär dem Bereich Forschung und Lehre.


Weiterführend

Orthogonalität in der Technikanalyse
Die Orthogonale Analyse ist eine schlanke Methode, die Reichweite und Grenzen der Informationssammlung transparent darzustellen.
Das ermöglicht geteilte Verantwortung.

Vorgehen

Baue das Raster auf und beschreibe es in Struktur, Prozess und Ergebnis, um eine Kritische Reflexion der Reichweite und Grenzen zu ermöglichen.

  • Struktur: Beschreibe, in welchem Rahmen etwas entstehen wird. Reflektiere die Richtigkeit dieser Planung in der späteren Umsetzung und halte in Memos fest. Strukturen können von zeitlichen und finanziellen Ressourcen, aber auch etwa durch Geoblocking beim Zugang zu Information limitiert sein.
  • Prozess: Beschreibe, in welchem Prozess etwas entstehen wird. Reflektiere die Richtigkeit dieser Planung in der späteren Umsetzung und halte sie in Memos fest. Prozesse beschreiben, wer was wie genau macht.
  • Ergebnis: Beschreibe, welches Ergebnis aus Struktur und Prozess zu erwarten ist. Reflektiere die Richtigkeit dieser Annahme nach der späteren Umsetzung und halte sie in Memos fest.
  • Kritische Reflexion:
    • Reichweite: Was ist der Mehrwert meines Vorgehens und meiner Ergebnisse?
    • Limitationen: In welchem Kontext kommen mein Vorgehen und meine Ergebnisse an welche Grenzen?

1) X-Achse: Reflexionsraster

Das Reflexionsraster legt fest, an welchen Theorien, Modellen und Annahmen analysiert wird. Bildlich gesprochen:: Wenn ich wissen möchte, wie hoch ein Gummiball hüpft, liefert ein harter und flacher Betonboden die bessere Resonanz als ein Weicher Boden (Watte, Wasser, Geröllfeld). Ein ungeeignetes Reflexionraster kann einen höheren Einfluss auf das Ergebnis haben als der Reflexionsgegentand.

  • Ordne die impliziten und expliziten Theorien, Modelle und Annahmen an der X-Achse an.
  • Arbeite die Struktur, Prozess und Ergebnis in einem kurzen Fliesstext aus.


2) Y-Achse: Refelexionsgegenstand

Der Reflexionsgegenstand bildet etwa die Informationsquellen ab. Bildlich gesprochen: Wenn ich Wissen möchte, welcher Gummiball am höchsten Springt, macht es auch bei bester Bodenfläche einen unterschied, ob ich 10 gleiche Gummibälle der gleichen Produktcharge, verschiedener Produktchargen, verschiedenen Alters - oder ganz unterschiedliche Gummibälle teste. Der Reflexionsgegenstand ermöglicht mir einzuschätzen, ob meine Testmethode richtig ist. Wenn die Sprungkraft der Gummibälle sehr eng aneinander liegt, benötigte ich ein feineres Messinstrument, als wenn die Unterschiede sehr deutlich sind. Die klare Beschreibung des Reflexionsgegenstandes ermöglicht es, einzuschätzen, ob das Richtige reflektiert wird.

  • Ordne die gewonnenen Informationsquellen an der Y-Achse an.
  • Arbeite die Struktur, Prozess und Ergebnis in einem kurzen Fliesstext aus.


3) Fläche O: Strukturierte Information

Die Fläche bildet den Raum ab, den mein Ergebnis einnehmen kann. Ein umfassendes Raster und ein umfassender Gegenstand vergrössern dieFläche - und damit auch die zu leistende Arbeit Bildlich gesprochen: Ich kann Gummibälle nach Farbe, Härte, Sprunghöhe, Preis, Grösse, Geruch... untersuchen. Wenn mich aber nur Interessiert, ob ich ihn verschlucken kann - genügt mir ein schlankeres Vorgehen.

  • Markiere die Kreuzungspunkte von Reflexionsgegenstand und Reflexionsraster auf der Fläche O - in der Praxis bedeutet das meist, Informationen nachvollziehbar in eine Tabelle einzutragen.


Evidenz in der Einzelfallberatung
Der Begriff der Evidenz (englisch: self-evidence) hat sich von der ursprünglichen Bedeutung der "Offensichtlichkeit" hin zur Bedeutung des "Belegs" (englisch evidence) gewandelt.

Begriffsklärung

Das Englische unterscheidet zwischen "evidence" und "self-evidence" (vgl. Sandkühler 2011 S. 34-35):

  • Evidenz / self-evidence ist eine Offenbarung ohne weitere Legitimation. Sie beschreibt das für alle Offensichtliche, das selbstversändliche
  • Beleg / evicence ist ist demgegenüber ein Begriff für jedes Mittel der Bestätigung und Rechtfertigung einer Annahme.


Weil ‚Evidenz‘ und ‚self-evidence‘ Ausdrücke für das vermeintlich keiner Rechtfertigung bedürfende ‚Offensichtliche‘ sind und verbergen, was ihren Kern ausmacht – Überzeugungen zu sein –, ist Evidenz-Kritik notwendig.
(Sandkühler 2011 S. 50)

Evidenzgrade

Wenn der Begriff der Evidence als Begriff für jedes Mittel der Bestätigung und Rechtfertigung einer Annahme gilt ist nachvollziehbar, dass in der Folge verschiedene Grade der Evidence unterschieden werden. In der Medizin sind die CEBM-Grade prominent vertreten, die von Expertenmeinung (Grad 5, niedrigster Grad) bis hin zu Metaanalysen on guten randomisierten, kontrollierten Studien reichen. Das GRADE-Framework nutzt ein Faktorsystem, das Bewertung der Evidenz (4 Grade von High bis Very Low) abwertet.

In anderen Disziplinen gibt es abweichende Systeme, sich ein Fundament für die Argumentation zu schaffen.

  • Theoreme sind ein Instrument der Mathematik: Ein Satz oder Theorem ist in der Mathematik eine widerspruchsfreie logische Aussage, die mittels eines Beweises als wahr erkannt, das heißt, aus Axiomen, Definitionen und bereits bekannten Sätzen hergeleitet werden kann.
  • Physikalische Gesetze gelten in ihrem Gültigkeitsbereich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Dieser Gültigkeitsbereich wird durch gezielte physikalische Experimente und Beobachtungen geprüft. Wenn deren Ergebnisse mit den Erwartungen übereinstimmen, gilt das Gesetz als bestätigt.


Hypothese: Mangel an Evidence

Im Bereich von "Aging in Place" und "Technik" ist von einem Mangel an Evidence auszugehen. Dieser Mangel ist begründet in verschiedenen Punkten, darunter:

  • Kurze Innovationszyklen der Technik sind nicht mit den langwierigen Prozessen der Forschung vorhanden.
  • Die Vielzahl und Vielfalt von Produkten überfordern die Kapazitäten der institutionalisierten Forschung.
  • Killerargument: Die Komplexität des Einzelfalls ist nicht mit den Anforderungen an abstraktes, allgemeingültiges Wissen kompatibel: Selbst und gerade für den Fall aktueller, repräsentativer Forschungsergebnisse zu einem Thema, das für den individuellen Einzelfall relevant ist, lässt sich immer ein Fall finden, der nicht der repräsentativen Kohorte entspricht.

Sapere aude!

Im Falle fehlender - oder nicht die Fragestellung des Einzelfalls muss deshalb der argumentative Schluss - und sei es der Transfer in die Praxis - selbst erbracht werden. Kollenberg und Kollenberg (2024, Abb 4.2) führen Erkenntnis als eine begründete Vorstellung auf. Diese Vorstellung kann durch Wahrnehmung und/oder Denken hervorgerufen sein. In der Begründung wird die Vorliegende Erfahrung und Vernunft zusammengeführt. Dies kann durch Abduktion (Hypothesenbildung), Induktion (Theoriebildung) oder Deduktion (Theorieanwendung) geschehen.

Induktion

Induktion
Etymologie

lateinisch inducere ‚herbeiführen‘, ‚veranlassen‘, ‚einführen‘

Schluss

Schluss vom Einzelnen auf das Allgemeine

❱ Fall + Ergebnis → Regel
Ziel

Theoriebildung

❱ Induktion zeigt, dass etwas tatsächlich wirksam ist
Schluss und Prämissen
Prämissen

B

A

❱ Fall: Diese Bohnen sind aus diesem Sack.
❱ Ergebnis: Diese Bohnen sind weiss
Schluss

A → B

❱ Regel: Alle Bohnen aus diesem Sack sind weiss


Deduktion

Deduktion
Etymologie

lateinisch deductio‚ Abführen, Fortführen, Ableitung

Schluss

Schluss vom Allgemeinen auf das Einzelne

❱ Regel → Fall → Ergebnis
Ziel

Theorieanwendung

❱ Deduktion beweist, dass etwas sein muss.
Schluss und Prämissen
Prämissen

A → B
A

❱ Regel: Alle Bohnen aus diesem Sack sind weiss.
❱ Fall: Diese Bohnen sind aus diesem Sack.
Schluss

B

❱ Ergebnis: Diese Bohnen sind weiss

Abduktion

Abduktion
Etymologie

lateinisch abductio ‚Abführung, Wegführung, Entführung

Schluss

Schluss von einem Ergebnis über eine Regel auf den Fall.

❱ Ergebnis + Regel → Fall/Hypothese
Ziel

Hypothesenbildung

❱ Abduktion deutet darauf hin, dass etwas sein kann.
Schluss und Prämissen
Prämissen

B
A → B

❱ Ergebnis: Diese Bohnen sind weiss.
❱ Regel: Alle Bohnen aus diesem Sack sind weiss.
Schluss

A

❱ Fall / Hypothese: Diese Bohnen sind aus diesem Sack.


Dunning-Kruger-Effekt
Der Dunning-Kruger-Effekt (DKE) geht auf einen Banküberfall zurück, bei dem sich der Täter unsichtbar machen wollte - analog zur Zitronensaft-Geheimtinte auf Papier.

Der Hintergrund - Zitronensaft als Geheimtinte

1995 betrat McArthur Wheeler zwei Banken in Pittsburgh und überfiel sie am helllichten Tag, ohne sich auch nur im Geringsten zu verkleiden. Er wurde noch am selben Abend verhaftet, weniger als eine Stunde nachdem Videoaufnahmen von ihm aus Überwachungskameras in den 23-Uhr-Nachrichten ausgestrahlt worden waren. Als ihm die Polizei später die Aufnahmen zeigte, starrte Wheeler sie ungläubig an. „Aber ich hatte doch den Saft an“, murmelte er. Offenbar glaubte Wheeler, dass man sich durch Einreiben des Gesichts mit Zitronensaft für Videokameras unsichtbar machen könne.

Aus der Zusammenfassung:

Zusammenfassend präsentieren wir diesen Artikel als Untersuchung der Gründe, warum Menschen dazu neigen, übermäßig optimistische und verzerrte Ansichten über sich selbst zu haben. Wir argumentieren,

  • dass diejenigen mit begrenztem Wissen in einem Bereich eine doppelte Belastung tragen:
    • Sie ziehen nicht nur falsche Schlüsse und begehen bedauerliche Fehler,
    • sondern ihre Inkompetenz raubt ihnen auch die Fähigkeit, dies zu erkennen.

Hypothesen

  • Menschen, die sich überschätzen sind besonders laut und dominant in der Debatte.
  • Expertinnen (m/w/d) unterschätzen Ihre Leistung als dass sie sich selbst überschätzen.
  • Social Media / Verbreitungsalgorithmen könnten das Fundament für Mount stupid sein.